Der Umsatz der LR Health & Beauty SE aus Warenerlösen betrug im ersten Halbjahr 2026 118,6 Millionen Euro, was einem Umsatzeinbruch gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2025 (142,9 Millionen Euro) in Höhe von 24,3 Millionen Euro oder 17,0 Prozent entspricht. In der Region Westeuropa, zu der auch Deutschland, Österreich und die Schweiz zählen, betrug der Umsatzrückgang sogar 22,1 Prozent. Das berichtete EBITDA sank um 70,9 Prozent auf 3,9 Millionen Euro.
Umsätze von LR Health & Beauty SE für das erste Halbjahr 2026 in Euro
Region | H1 2026 | H1 2025 | +/- |
|---|---|---|---|
Region Westeuropa | 60,7 | 77,9 | -22,1 % |
Region Mittel- und Osteuropa | 57,6 | 64,7 | -10,9 % |
Überleitung / Sonstige | 0,3 | 0,4 | – |
Warenerlöse gesamt | 118,6 | 142,9 | -17,0 % |
Übrige Erlöse | 4,0 | 4,6 | -14,8 % |
Erlösschmälerungen | -5,1 | -5,2 | -3,1 % |
Umsatzerlöse gesamt | 117,5 | 142,3 | -17,4 % |
Angaben in Millionen Euro, gerundet. Quelle: Ungeprüfter Konzernzwischenbericht Q2 2026 der LR Health & Beauty SE vom 21. August 2026. Region Westeuropa umfasst Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Türkei und das Vereinigte Königreich. Region Mittel- und Osteuropa umfasst Albanien, Bulgarien, Griechenland, Kasachstan, Polen, Rumänien, Russland, die Slowakei, Tschechien, Ungarn, die Ukraine und Zypern.
Ein Umsatzrückgang von 17,0 Prozent innerhalb eines Halbjahres ist für ein Unternehmen dieser Größenordnung erheblich. Vor allem deshalb, weil sich die Entwicklung nicht auf einen einzelnen Markt oder eine einzelne Produktkategorie beschränkt, sondern mehrere Kernregionen betrifft. Das Minus von 24,3 Millionen Euro liegt rechnerisch sogar über dem gesamten Jahresumsatz, den LR 2025 in der geografischen Region Südeuropa erzielt hat.
Auch der Zweijahresvergleich verdeutlicht die Größenordnung. Im ersten Halbjahr 2024 hatte LR nach eigenen Angaben noch Warenerlöse von 143,3 Millionen Euro erzielt. Innerhalb von 24 Monaten verringerte sich dieser Wert damit um 24,7 Millionen Euro oder 17,2 Prozent.
Würde sich die aktuelle Umsatzentwicklung im zweiten Halbjahr in vergleichbarer Größenordnung fortsetzen, läge der Jahresumsatz 2026 voraussichtlich bei etwa 230 bis 237 Millionen Euro. Gegenüber dem bisherigen Höchststand von 289,2 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024 entspräche dies einem Rückgang von rund 18 bis 20 Prozent.
Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in Westeuropa, zu dem auch der gesamte D-A-CH-Raum zählt. Auf Basis der aktuellen Halbjahreswerte würde die Region 2026 hochgerechnet rund 30 bis 33 Prozent unter den 174,6 Millionen Euro liegen, die LR dort im Geschäftsjahr 2024 erzielt hatte. Damit hätte Westeuropa innerhalb von zwei Jahren etwa ein Drittel seines damaligen Umsatzvolumens eingebüßt.
Quartalsverlauf zeigt eine Verschärfung ab Jahresbeginn
Erst die Reihe der Quartale macht sichtbar, wann der Umsatz gekippt ist. Bis in das Jahr 2025 hinein bewegte sich LR auf einem nahezu stabilen Niveau; der Bruch fällt mit der öffentlich gewordenen Finanzkrise des Unternehmens im Oktober 2025 zusammen.
Zeitraum | Warenerlöse | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
1. Quartal 2025 | 74,0 | +1,9 %* |
2. Quartal 2025 | 68,9 | -2,6 % |
1. Halbjahr 2025 | 142,9 | -0,3 % |
1. Quartal 2026 | 60,8 | -17,8 % |
2. Quartal 2026 | 57,8 | -16,1 % |
1. Halbjahr 2026 | 118,6 | -17,0 % |
Angaben in Millionen Euro, gerundet. Quellen: Zwischenberichte Q1 2026 und Q2 2026 sowie Halbjahresmitteilung 2025 der LR Health & Beauty SE. * Die Veränderungsrate für das erste Quartal 2025 ist eine eigene Berechnung aus den veröffentlichten Quartals- und Halbjahreswerten der Jahre 2024 und 2025Â
Der Umsatzrückgang vollzieht sich in einem einzigen Schritt zwischen dem vierten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026. Seither bewegt sich das Minus stabil in einem Korridor zwischen 16 und 18 Prozent. Diese Konstanz ist aufschlussreich: Sie spricht gegen eine punktuelle Störung wie einen Lieferengpass oder einen Sondereffekt und für eine strukturelle Veränderung im Vertriebsnetz, die seit Jahresbeginn unverändert wirkt. Sequenziell hat sich der Rückgang zuletzt leicht verlangsamt: Vom ersten zum zweiten Quartal 2026 verlor LR 5,0 Prozent, ein Jahr zuvor waren es im gleichen Übergang 6,9 Prozent gewesen. Eine Bodenbildung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, weil die Vergleichsbasis bereits stark abgesenkt ist.
Vom Wachstum in den Rückgang: die Mehrjahresbetrachtung
Geschäftsjahr / Periode | Warenerlöse | Veränderung |
|---|---|---|
2023 | 276,5* | +2,6 % |
2024 | 289,2 | +4,6 % |
2025 | 277,1 | -4,2 % |
1. Halbjahr 2026 | 118,6 | -17,0 % |
2026 hochgerechnet* | 230 bis 237 | -14 bis -17 % |
Angaben in Millionen Euro, gerundet. Quellen: Geschäftsbericht 2025 und Zwischenbericht Q2 2026 der LR Health & Beauty SE. * Der Wert für 2023 und die Hochrechnung für 2026 sind eigene Berechnungen:Â
LR hatte in den Geschäftsjahren 2023 und 2024 zugelegt und dabei 2024 mit 289,2 Millionen Euro den höchsten Wert der jüngeren Unternehmensgeschichte erreicht. Der Rückgang von 4,2 Prozent im Jahr 2025 wirkte zunächst wie eine Konsolidierung, doch die operative Ertragskraft war zu diesem Zeitpunkt bereits erodiert: Das berichtete EBITDA fiel 2025 von 27,3 auf 16,5 Millionen Euro. Genau dieser Einbruch führte im dritten Quartal 2025 zur Verletzung des Leverage Covenant, der ein Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA von höchstens 4,5 zu 1 vorschrieb, und damit in die Restrukturierung.
Westeuropa trägt 71 Prozent des Verlusts
Der Umsatzeinbruch ist vorwiegend ein westeuropäisches Phänomen. Die Region, in der LR neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch Frankreich, Italien, Spanien, die Türkei und das Vereinigte Königreich führt, verliert im ersten Halbjahr 22,1 Prozent auf 60,7 Millionen Euro. Mittel- und Osteuropa gibt mit 10,9 Prozent auf 57,6 Millionen Euro nur halb so stark nach. Die Schere ist nicht neu, aber sie öffnet sich weiter: Bereits im Geschäftsjahr 2025 hatte Westeuropa 13,6 Prozent verloren, während Mittel- und Osteuropa um 10,1 Prozent gewachsen war.
Damit steht LR vor einer Verschiebung seines Schwerpunkts. Der Anteil Westeuropas an den Warenerlösen sinkt im ersten Halbjahr 2026 auf 51,3 Prozent nach 54,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Vorsprung der Region ist von 13,2 auf 3,1 Millionen Euro geschmolzen, im zweiten Quartal betrug er nur noch 1,7 Millionen Euro. Für ein Unternehmen, dessen Produktion, Forschung und Verwaltung vollständig in Ahlen liegen und das seine Qualität mit dem Herkunftsversprechen „Made in Germany“ begründet, wäre der Verlust der Führungsposition des westeuropäischen Segments mehr als eine statistische Randnotiz.
Das Ergebnis der Regionen kippt schneller als der Umsatz
Segment | Umsatz H1 2026 | Umsatz H1 2025 | EBITDA H1 2026 | EBITDA H1 2025 |
|---|---|---|---|---|
Westeuropa | 60,7 | 77,9 | 6,3 | 10,0 |
Mittel- und Osteuropa | 57,6 | 64,7 | 4,5 | 5,6 |
Überleitung / Holding | 0,3 | 0,4 | -6,9 | -2,2 |
Gesamt | 118,6 | 142,9 | 3,9 | 13,3 |
Angaben in Millionen Euro, gerundet. Umsatz = Warenerlöse mit externen Kunden. Quelle: Segmentberichterstattung im Zwischenbericht Q2 2026 der LR Health & Beauty SE.
Das Segment-EBITDA Westeuropas fällt um 37,0 Prozent auf 6,3 Millionen Euro und damit stärker als der Umsatz. Mittel- und Osteuropa verliert 19,7 Prozent. Den größten Sprung macht jedoch der Überleitungsposten mit den Holding- und Managementgesellschaften, der von minus 2,2 auf minus 6,9 Millionen Euro absackt. Dort schlagen die Beratungs- und Rechtskosten der Restrukturierung durch, die LR für das Halbjahr mit 4,8 Millionen Euro als Sondereffekte ausweist. Ohne diesen Posten läge das Konzern-EBITDA bei 8,7 Millionen Euro, was einer Marge von 7,3 Prozent nach 10,7 Prozent entspricht.
Isoliert betrachtet ist das zweite Quartal der eigentliche Bruch. Aus den kumulierten Werten kann errechnet werden, dass Westeuropa im zweiten Quartal nur noch 0,6 Millionen Euro Segment-EBITDA erwirtschaftet hat, nach 5,7 Millionen Euro im ersten Quartal und 3,2 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Mittel- und Osteuropa lieferte mit 1,8 Millionen Euro erstmals den größeren Ergebnisbeitrag, obwohl die Region weniger Umsatz erzielt.
D-A-CH: Heimatmarkt im Zentrum des Rückgangs
Eine eigene Zahl für Deutschland, Österreich und die Schweiz veröffentlicht LR unterjährig nicht. Die geografische Aufgliederung findet sich ausschließlich im Geschäftsbericht, zuletzt für das Geschäftsjahr 2025. Sie zeigt, wo LR seine Substanz verliert.
Geografische Region | 2025 | 2024 | +/- |
|---|---|---|---|
D-A-CH | 105,3 | 121,2 | -13,2 % |
Osteuropa und Asien | 114,7 | 102,2 | +12,3 % |
West- und Nordeuropa | 33,7 | 34,7 | -2,8 % |
Südeuropa | 23,5 | 27,9 | -15,6 % |
Umsatzerlöse gesamt | 277,3 | 286,0 | -3,0 % |
Angaben in Millionen Euro, gerundet. Es handelt sich um Umsatzerlöse mit externen Kunden nach Erlösschmälerungen, nicht um Warenerlöse; die Gliederung folgt dem Sitz der Landesgesellschaften. Quelle: Konzernanhang im Geschäftsbericht 2025 der LR Health & Beauty SE. Die Prozentwerte sind eigene Berechnungen.
Der D-A-CH-Raum hat 2025 gegenüber dem Vorjahr 15,9 Millionen Euro verloren und damit mehr als jede andere geografische Region des Unternehmens. Zugleich hat Osteuropa und Asien um 12,6 Millionen Euro zugelegt und ist mit 114,7 Millionen Euro erstmals an D-A-CH herangerückt. Die Rangfolge der Regionen dürfte sich im laufenden Jahr drehen, denn der Rückgang in der Steuerungsregion Westeuropa hat sich 2026 von 13,6 auf 22,1 Prozent nahezu verdoppelt, während Mittel- und Osteuropa lediglich vom Wachstum in einen einstelligen bis knapp zweistelligen Rückgang gedreht ist.
Zwei weitere Belege stützen die Einschätzung, dass der deutschsprachige Raum im Zentrum des Problems steht. Der Innenumsatz der Region Westeuropa mit den übrigen Segmenten, der im Kern die Lieferungen der Ahlener Produktionsgesellschaft an die Auslandstöchter abbildet, sinkt im ersten Halbjahr von 25,4 auf 22,2 Millionen Euro. Und der Abschlussprüfer hat im finalen Jahresabschluss 2025 den Wertminderungsbedarf auf den Geschäfts- oder Firmenwert der Region Westeuropa auf 17,8 Millionen Euro angehoben, nachdem der vorläufige Test im Zwischenbericht Q1 2026 noch von 10,7 Millionen Euro ausgegangen war. Der Buchwert dieses Firmenwerts sank damit von 77,4 auf 59,6 Millionen Euro. Für Mittel- und Osteuropa ergab der Test unverändert keinen Abwertungsbedarf. Eine Abschreibung dieser Größenordnung ist die bilanzielle Bestätigung dafür, dass der Vorstand die künftigen Zahlungsströme des westeuropäischen Geschäfts dauerhaft niedriger einschätzt als bisher.
Umsatzrückgang resultiert aus einer Verkettung von Ereignissen
Der Zwischenbericht selbst nennt als Erklärung den Übergangsprozess im Kontext der Restrukturierung und ein gedämpftes Konsumklima. Diese Formulierung bleibt allgemein. Der Geschäftsbericht 2025, die Ad-hoc-Meldungen seit Oktober 2025 und die Angaben zur operativen Restrukturierung erlauben eine genauere Zerlegung der Ursachen.
- Vertrauensschaden im Vertriebsnetz: Zwischen der Feststellung des Covenant-Bruchs am 20. Oktober 2025 und dem Abschluss der Restrukturierung am 11. Juni 2026 lagen knapp acht Monate, in denen LR die Zinszahlungen stundete, Stillhaltevereinbarungen verlängerte und in der Ad-hoc-Meldung vom 23. Januar 2026 selbst ein Insolvenzliquidationsszenario mit einer Quote von rund 6 Prozent für die Anleihegläubiger benannte. LR schreibt im Geschäftsbericht, das vierte Quartal 2025 sei von der teilweise negativen Nachrichtenlage geprägt gewesen und dieser Effekt sei zu Beginn des neuen Geschäftsjahres noch spürbar gewesen. Für ein Geschäftsmodell, das auf der Rekrutierung und Aktivierung selbstständiger Vertriebspartner beruht, ist eine öffentlich diskutierte Insolvenzgefahr ein unmittelbarer Vertriebshemmschuh.
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- Eingriffe in das Vergütungssystem: Die Änderung des Karriereplans im Oktober 2024 hat die Bonusquote strukturell erhöht, sodass die Boni an die Vertriebspartner 2025 trotz sinkenden Umsatzes gestiegen sind. Für 2026 kündigt LR Anpassungen der Partnervergütung sowie eine Neuausrichtung der Qualifikations- und Eventkonzepte an. Der Konzern benennt das Risiko selbst: Änderungen an etablierten Vergütungsstrukturen können die Motivation, die Bindung sowie die Rekrutierungs- und Aktivierungsfähigkeit der Vertriebspartner beeinträchtigen.
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- Bereinigung des Portfolios und der Märkte: Vorgesehen sind Produktrelaunches, die Substitution einzelner Produkte oder Materialien durch margenstärkere Alternativen und die Straffung weniger attraktiver Produktbereiche. Im Bereich Märkte plant LR die Einstellung verlustbringender Aktivitäten bei gleichzeitiger Erschließung neuer Wachstumsmärkte. Beide Maßnahmen kosten kurzfristig Umsatz, bevor sie Ergebnis bringen.
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- Personalabbau in der Transformationsphase: Die Belegschaft sinkt von 1.176 Mitarbeitenden zum 30. Juni 2025 auf 1.119 zum 30. Juni 2026. LR verweist auf mögliche Produktivitätsverluste während der Umstellung und auf Einmalaufwendungen für Abfindungen.
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- Konsumklima und Währungen: Der IWF erwartet für die Eurozone 2026 ein Wachstum von 1,1 Prozent nach 1,4 Prozent, für Deutschland als wichtigsten Markt 0,8 Prozent. Zugleich fallen die sonstigen betrieblichen Erträge im Halbjahr von 4,7 auf 2,1 Millionen Euro, überwiegend wegen geringerer Währungsgewinne. Zu den für den Umsatz wesentlichen Fremdwährungen zählen der russische Rubel, der kasachische Tenge, der polnische Złoty, die tschechische Krone und die ukrainische Hrywnja.
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- Geopolitische Rahmenbedingungen: LR unterhält Landesgesellschaften in Russland, Kasachstan und der Ukraine. In der Ukraine ist der Geschäftsbetrieb aus Sicherheitsgründen eingeschränkt, für den russischen Markt benennt der Konzern Risiken aus möglichen weiteren Sanktionen sowie bei der Produktverfügbarkeit.
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Der Umsatzrückgang resultiert aus einer Verkettung von Ereignissen. Ein Ertragsrückgang führte zum Covenant-Bruch, der Covenant-Bruch zur öffentlichen Restrukturierung, die Restrukturierung zu Verunsicherung im Vertriebsnetz und zu Eingriffen in Vergütung und Sortiment, und diese Eingriffe wiederum zu weiterem Umsatzverlust. Von den fünf genannten Ursachen liegen vier im Einflussbereich des Unternehmens; die Konsumschwäche ist die einzige exogene Größe. Das ist insofern eine gute Nachricht, als es die Trendwende grundsätzlich steuerbar macht, und insofern eine schlechte, als der Rückgang nicht mit einer Erholung des Marktumfeldes von allein endet.
Kostenseite sinkt langsamer als der Umsatz
Ertragskennzahl | H1 2026 | H1 2025 | +/- |
|---|---|---|---|
Warenerlöse | 118,6 | 142,9 | -17,0 % |
Konzernumsatz (Umsatzerlöse) | 117,5 | 142,3 | -17,4 % |
Materialaufwand | 20,7 | 25,7 | -19,4 % |
Personalaufwand | 27,6 | 29,0 | -4,7 % |
Sonstige betriebliche Aufwendungen | 66,1 | 79,5 | -16,9 % |
EBITDA (reported) | 3,9 | 13,3 | -70,9 % |
EBITDA (normalisiert) | 8,7 | 15,3 | -43,3 % |
EBIT | -1,9 | 6,8 | – |
Finanzergebnis | 46,4 | -8,9 | – |
Periodenergebnis | 44,5 | -3,2 | – |
Free Cashflow | -4,0 | 3,0 | – |
Angaben in Millionen Euro, gerundet. Quelle: Ungeprüfter Konzernzwischenbericht Q2 2026 der LR Health & Beauty SE. Die Prozentwerte sind eigene Berechnungen aus den ausgewiesenen Beträgen.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen, in denen LR die Boni an die Vertriebspartner, die Vertriebs-, Beratungs- und Verwaltungskosten sowie Währungsverluste zusammenfasst, sinken um 16,9 Prozent und damit fast exakt im Gleichschritt mit dem Umsatz. Ihre Quote bezogen auf die Warenerlöse verharrt bei 55,7 Prozent nach 55,6 Prozent. Der größte Kostenblock des Konzerns liefert damit keinerlei Entlastung. Das ist der Kern des Ergebnisproblems: Ein Umsatzrückgang von 24,3 Millionen Euro schlägt fast ungebremst auf das EBITDA durch, das um 9,5 Millionen Euro einbricht.
Der Personalaufwand gibt mit 4,7 Prozent am wenigsten nach, weil Gehaltsanpassungen und Aufwendungen für den Stellenabbau die Einsparungen aus der geringeren Kopfzahl zum Teil aufzehren. Der Materialblock einschließlich der Bestandsveränderungen steigt relativ betrachtet sogar: Seine Quote klettert auf 18,6 Prozent nach 17,6 Prozent im Vorjahreshalbjahr, weil die Fixkosten der Produktion in Ahlen auf ein kleineres Volumen verteilt werden.
Ein Halbjahresgewinn von 44,5 Millionen Euro, der kein Gewinn aus dem Geschäft ist
Auf den ersten Blick erscheint das Halbjahresergebnis glänzend: 44,5 Millionen Euro Periodenüberschuss nach einem Verlust von 3,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Betrag stammt jedoch nicht aus dem operativen Geschäft, sondern aus einem Finanzergebnis von 46,4 Millionen Euro, das durch die Ausbuchung von Anleiheverbindlichkeiten im Rahmen der Finanzrestrukturierung entsteht. Auf der operativen Ebene steht ein EBIT von minus 1,9 Millionen Euro. Wer die Ertragslage von LR beurteilen will, muss deshalb beim normalisierten EBITDA von 8,7 Millionen Euro ansetzen.
Die Restrukturierung selbst wurde im zweiten Quartal abgeschlossen. Nach dem am 5. Juni 2026 erfolgreich beendeten Written Procedure gingen sämtliche Anteile an der Gesellschaft zum 11. Juni 2026 auf die LR Topco S.à r.l. mit Sitz in Luxemburg über. LR erhielt 20 Millionen Euro frisches Kapital, bestehend aus 10 Millionen Euro Eigenkapitaleinlage und 10 Millionen Euro neuer besicherter Anleihefinanzierung. Die neue Kapitalstruktur besteht aus einer besicherten Anleihe über 62,5 Millionen Euro mit einem festen Kupon von 6,75 Prozent sowie unbesicherten Anleihen der Muttergesellschaft über 27,5 Millionen Euro mit einem PIK-Zins, der über die Laufzeit von 6 auf 10 Prozent steigt und 2031 fällig wird. Alle darüber hinausgehenden Anleiheforderungen einschließlich aufgelaufener Zinsen wurden erlassen.
Bilanz ist saniert, der Cashflow nicht
Bilanzposition | 30.06.2026 | 31.12.2025 |
|---|---|---|
Bilanzsumme | 200,8 | 194,1 |
Eigenkapital | 38,2 | -17,6 |
Verbindlichkeiten aus Anleihen | 62,7 | 129,8 |
Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern | 31,0 | 3,2 |
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 22,8 | 28,5 |
Vorräte | 25,6 | 26,1 |
Liquide Mittel | 18,7 | 8,0 |
Angaben in Millionen Euro, gerundet. Quelle: Ungeprüfter Konzernzwischenbericht Q2 2026 der LR Health & Beauty SE.
Das Eigenkapital dreht von minus 17,6 Millionen Euro zum Jahresende auf 38,2 Millionen Euro, was einer Quote von 19 Prozent entspricht. Einschließlich des Gesellschafterdarlehens von 31,0 Millionen Euro weist LR ein wirtschaftliches Eigenkapital von 69,1 Millionen Euro und eine wirtschaftliche Eigenkapitalquote von 34,4 Prozent aus. Die Anleiheverbindlichkeiten halbieren sich und wechseln von den kurzfristigen in die langfristigen Verbindlichkeiten.
Operativ bleibt das Bild angespannt. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit liegt im Halbjahr bei minus 2,4 Millionen Euro nach plus 4,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, der Free Cashflow bei minus 4,0 Millionen Euro nach plus 3,0 Millionen Euro. Der Anstieg der liquiden Mittel auf 18,7 Millionen Euro stammt vollständig aus der Finanzierungsseite: 10 Millionen Euro aus der Anleiheemission im ersten Quartal und 10 Millionen Euro aus der Gesellschaftereinlage im zweiten. Das Unternehmen finanziert seinen laufenden Betrieb derzeit also nicht aus eigener Kraft.
Was der Einbruch für den Sanierungsplan bedeutet
Die Restrukturierung wurde auf Grundlage eines Gutachtens nach IDW S 6 verhandelt, das EY-Parthenon erstellt hat. Für das Geschäftsjahr 2028 unterstellt dieses Gutachten laut Ad-hoc-Meldung vom 23. Januar 2026 im Sensitivity Case einen Umsatz von 281,5 Millionen Euro bei einem EBITDA von 27,3 Millionen Euro und im Management Case einen Umsatz von 284,7 Millionen Euro bei einem EBITDA von 31,4 Millionen Euro. Die Anleihegläubiger haben einem Forderungsverzicht auf dieser Grundlage zugestimmt.
Gemessen an der aktuellen Laufrate von 230 bis 237 Millionen Euro für 2026 fehlen bis 2028 rund 45 bis 55 Millionen Euro Umsatz, was einem Zuwachs von etwa einem Fünftel innerhalb von zweieinhalb Jahren entspricht. Beim Ergebnis ist der Abstand noch größer: Aus einem hochgerechneten EBITDA im niedrigen einstelligen Millionenbereich für 2026 müssten bis 2028 mehr als 27 Millionen Euro werden. Der Plan setzt damit eine vollständige Trendumkehr voraus, während die Zahlen des ersten Halbjahres 2026 die Fortsetzung des Rückgangs zeigen. Sollte sich die Umsatzentwicklung nicht drehen, dürfte die Frage nach einem weiteren Kapitalbedarf früher gestellt werden, als es die neue Fälligkeitsstruktur bis 2029 und 2031 nahelegt.
Vorstand hält an der Prognose für 2026
Der Vorstand bestätigt die Prognose aus dem Geschäftsbericht 2025 unverändert und erwartet für 2026 weiterhin einen deutlichen Rückgang der Warenerlöse und des berichteten EBITDA. LR bezeichnet das laufende Jahr als Übergangsjahr, in dem der Konzern finanziell und strategisch stabilisiert und effizienter aufgestellt werden soll, um die Grundlage für eine Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum und langfristiger Profitabilität zu schaffen. Eine bezifferte Umsatz- oder Ergebnisprognose enthält der Zwischenbericht nicht.
Nach dem Bilanzstichtag hat die Gesellschafterversammlung am 1. Juli 2026 den Rechtsformwechsel der LR Health & Beauty SE in eine GmbH beschlossen. Am 29. Juli 2026 wurde der Zinssatz des im Jahr 2024 gewährten Gesellschafterdarlehens im Zuge seiner Übertragung auf die LR Topco S.à r.l. auf 5,9845 Prozent angepasst. Der Konzernabschluss wurde weiterhin unter der Annahme der Unternehmensfortführung aufgestellt.
Für die Vertriebspartner entscheidet sich die Lage von LR nicht an der Bilanz, sondern an den Quartalszahlen des zweiten Halbjahres. LR hat seine Kapitalstruktur bereinigt und 10,7 Millionen Euro zusätzliche Liquidität aufgebaut und hat damit Zeit gewonnen, aber noch keinen Beleg dafür geliefert, dass das operative Geschäft die Talsohle erreicht hat.






























