Beim US-amerikanischen Network-Marketing-Unternehmen Juice Plus+ gibt es erneut einen Wechsel in der Unternehmensspitze. Jennifer Orlando, die zuvor als CEO für Arbonne tätig war, übernimmt mit sofortiger Wirkung zum 10.8.2026 die Position des Chief Executive Officer bei Juice Plus+. Sie tritt in einer Phase an, in der das Unternehmen auch seine europäischen Gesellschaften neu ordnet und in der die zuletzt veröffentlichten Zahlen der britischen Tochtergesellschaft einen erheblichen Umsatzrückgang ausweisen.
Langjährige Erfahrung in der Direct-Selling-Branche
Orlando folgt auf Mike Lohner, Chairman des Board of Directors, der Juice Plus+ in den vorausgegangenen Monaten interimistisch geführt hatte. Lohner bleibt Chairman und unterstützt Orlando zusätzlich als Special Advisor. Nach mehreren Wechseln an der Spitze holt Juice Plus+ damit erneut eine Managerin mit langjähriger Erfahrung im Direktvertrieb. Orlando stand rund drei Jahre an der Spitze von Arbonne International. Zuvor führte ihre Karriere über Plexus Worldwide, Stella & Dot sowie Marken aus dem Umfeld des französischen Luxuskonzerns LVMH.
Diese Kombination dürfte für Juice Plus+ eine Rolle gespielt haben. Die Grenzen zwischen Direktvertrieb, E-Commerce und Social Commerce verschwimmen seit Jahren. Unternehmen positionieren ihre Produkte zunehmend unabhängig vom Vertriebskanal als eigenständige Verbrauchermarken und müssen zugleich verhindern, dass der Onlinevertrieb die wirtschaftliche Rolle ihrer selbstständigen Vertriebspartner schwächt. Genau an dieser Schnittstelle arbeitete Orlando in ihren bisherigen Positionen.
Orlando und Travis Garza arbeiteten bereits bei Plexus zusammen
Zu ihrem Vorgänger bei Juice Plus+ besteht eine personelle Verbindung. Als Plexus Worldwide Jennifer Orlando im August 2021 zur Chief Sales Officer ernannte, arbeitete Travis Garza dort als President of Sales and Marketing. Garza wechselte später selbst zu Juice Plus+ und übernahm dort zum 1. Juli 2023 die Position des Global CEO. Er folgte auf Interim-CEO Jay Thompson. Zuvor hatte Stuart Kronauge das Unternehmen geführt. Nun übernimmt Orlando die Position, die Garza bis Anfang 2026 innehatte.
Travis Garza scheidet Anfang 2026 aus den europäischen Gesellschaften aus
Der Führungswechsel bei Juice Plus+ zeichnete sich bereits Monate vor der offiziellen Ernennung ab. Im britischen Handelsregister endete die Organstellung von Travis Theobald Garza bei The Juice Plus+ Company Ltd mit Wirkung zum 27. Februar 2026. Einen Tag später, am 28. Februar, bestellte die Gesellschaft Michael David Lohner und Susan Vandegrift zu Directors. Amanda Jane Willis schied zum 1. März 2026 ebenfalls aus dem Board aus.
Auch in der europäischen Geschäftsführung wechselte 2026 die Besetzung
Parallel dazu veränderte sich die Führung der in Basel ansässigen The Juice PLUS Company Europe GmbH. Das Schweizer Handelsregister trug am 27. Mai 2026 Michael Lohner als Vorsitzenden der Geschäftsführung mit Einzelunterschrift ein, Susan Vandegrift wurde Geschäftsführerin. Travis Garza und Amanda Jane Willis schieden aus der Gesellschaft aus. Am 21. Juli folgte eine weitere Änderung: Ernesto Hartog schied als Direktor aus, Stefanie Lauber-Kraft erhielt Einzelunterschrift. Der CEO-Wechsel im August steht damit nicht für sich. Innerhalb weniger Monate besetzte Juice Plus+ mehrere Führungs- und Organisationsfunktionen in den europäischen Gesellschaften neu.
Mike Lohner bleibt als Chairman im Hintergrund
Orlando übernimmt die operative Führung nicht vollständig losgelöst von der bisherigen Übergangsstruktur. Lohner bleibt Chairman des Juice-Plus+-Boards und fungiert zusätzlich als Special Advisor der neuen CEO. Das Unternehmen sichert damit Kontinuität während der Übergabe, statt die Interimslösung vollständig aus der Führung herauszulösen. Für Orlando bedeutet das zugleich, dass sie nach einer kurzen Übergangsphase wirtschaftliche Ergebnisse vorweisen muss. Denn insbesondere die verfügbaren europäischen Zahlen zeigen erheblichen Anpassungsbedarf in Teilen des internationalen Geschäfts.
Britische Gesellschaft verliert seit dem Pandemiehoch deutlich an Umsatz
Am deutlichsten zeigt sich das bei der britischen The Juice Plus+ Company Ltd. Nach öffentlich verfügbaren, aus den Abschlüssen bei Companies House übernommenen Zahlen erreichte die Gesellschaft im Geschäftsjahr zum 30. April 2021 einen Umsatz von 90,9 Millionen Pfund. Danach setzte ein deutlicher Rückgang ein.
|
Geschäftsjahr |
Umsatz |
|---|---|
|
2020 |
55,6 |
|
2021 |
90,9 |
|
2022 |
43,4 |
|
2023 |
27,6 |
|
2024 |
23,2 |
Angaben in Millionen Pfund. Geschäftsjahr jeweils zum 30. April. Quelle: Jahresabschlüsse bei Companies House.
Von 2023 auf 2024 sank der Umsatz um rund 15,9 Prozent, gegenüber dem außergewöhnlich starken Geschäftsjahr 2021 um rund 74,5 Prozent. Dabei fiel das Geschäftsjahr 2021 in die besonderen Marktbedingungen der Pandemie, ein Vergleich allein mit diesem Spitzenjahr ergäbe deshalb ein verzerrtes Bild. Der Umsatz 2024 liegt mit 23,2 Millionen Pfund allerdings auch rund 58 Prozent unter dem Wert des Geschäftsjahres 2020. Die Entwicklung lässt sich damit nicht allein mit der Normalisierung eines einmaligen Pandemiehochs erklären.
Ergebnis und Bilanz der UK-Gesellschaft stehen unter Druck
Parallel zum Umsatzrückgang wies die britische Gesellschaft in allen fünf ausgewiesenen Geschäftsjahren einen Verlust vor Steuern aus. Das Ergebnis vor Steuern entwickelte sich von minus 3,7 Millionen Pfund im Jahr 2020 über minus 7,1 Millionen Pfund 2021 und minus 6,3 Millionen Pfund 2022 auf minus 11,2 Millionen Pfund 2023. 2024 verringerte sich der Verlust auf rund 7,6 Millionen Pfund und blieb damit erheblich. Auch die Zahl der Beschäftigten sank, von 228 im Geschäftsjahr 2021 auf 125 im Jahr 2024 und damit um rund 45 Prozent. Gegenüber 2023 reduzierte sie sich nochmals von 145 auf 125.
Die Bilanz weist weitere Auffälligkeiten auf. Für 2024 nennt der Abschluss liquide Mittel von rund 304.000 Pfund. Das Nettovermögen beziehungsweise Eigenkapital lag bei rund minus 29,4 Millionen Pfund, die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei rund 39,6 Millionen Pfund und die kurzfristigen Vermögenswerte bei etwa 9,4 Millionen Pfund.
Diese Zahlen betreffen ausdrücklich die britische Gesellschaft und lassen sich nicht mit einer Konzernbilanz von Juice Plus+ gleichsetzen. Sie zeigen jedoch, dass ein bedeutender europäischer Markt in den vergangenen Jahren unter Druck geraten ist.
Globaler Umsatz bleibt weitgehend im Dunkeln
Juice Plus+ befindet sich in privater Hand und veröffentlicht keine konsolidierte Finanzberichterstattung, die sich mit der börsennotierter Konzerne vergleichen ließe. Externe Branchenquellen schätzten den weltweiten Umsatz für 2024 auf rund 395 Millionen US-Dollar, nach etwa 400 Millionen US-Dollar im Jahr zuvor. Dabei handelt es sich nicht um veröffentlichte oder testierte Konzernzahlen, sondern um Marktschätzungen.
Das erschwert die wirtschaftliche Einordnung. Die Rückgänge in Großbritannien lassen sich nicht ohne Weiteres auf die USA, Deutschland, Österreich, die Schweiz oder andere Märkte übertragen. Sie liefern aber einen Teil des Gesamtbildes, zumal Europa traditionell eine wesentliche Rolle im internationalen Juice-Plus+-Geschäft spielt.
Altamont Capital Partners ist seit 2018 investiert
Eine weitere Komponente betrifft die Eigentümer- beziehungsweise Investorenstruktur. Die US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft Altamont Capital Partners investierte im November 2018 in The Juice Plus Company und führt das Unternehmen auch 2026 als aktive Portfoliobeteiligung. Wie hoch die Beteiligungsquote ausfällt und wie die Kapitalstruktur des privaten Unternehmens im Detail ausgestaltet ist, geht aus den öffentlich zugänglichen Angaben nicht hervor.
Für die strategische Bewertung bleibt die Private-Equity-Komponente dennoch relevant. Anders als bei einem inhabergeführten Network-Marketing-Unternehmen rücken bei einer Beteiligungsgesellschaft regelmäßig Kapitalrendite, operative Effizienz, Wachstumsfähigkeit und langfristige Unternehmensbewertung in den Mittelpunkt. Die Neuordnung des Managements fällt damit in eine Phase, in der Juice Plus+ Wachstumsperspektiven und die Leistungsfähigkeit seiner internationalen Märkte belegen muss.
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Orlando muss Wachstum und Vertriebspartner zugleich im Blick behalten
Ihr beruflicher Hintergrund passt zu dieser Aufgabe. Bei Arbonne und Plexus arbeitete Orlando nicht ausschließlich als Konzernmanagerin. Ihre Funktionen waren eng mit Field Development, Vertrieb, Sales Strategy und der Zusammenarbeit mit selbstständigen Vertriebspartnern verbunden. Sie kennt damit eine Besonderheit des Direct Selling: Wachstumsprogramme wirken nur, wenn die Vertriebsmannschaft sie annimmt und umsetzt. Hinzu kommen ihre Erfahrungen aus Beauty, stationärem Handel, E-Commerce und digitalem Vertrieb.
Für Juice Plus+ dürften in den kommenden Jahren vier Themen entscheidend werden: die Stabilisierung schwächerer Märkte, die Gewinnung und Bindung neuer Vertriebspartner, eine stärkere digitale Kundengewinnung sowie die Positionierung der Produkte in einem dicht besetzten internationalen Wellness- und Nahrungsergänzungsmittelmarkt. Der Markt bietet weiterhin Chancen. Nahrungsergänzung, Healthy Aging, personalisierte Ernährung und präventive Wellness zählen zu den wachstumsstarken Konsumtrends. Gleichzeitig ist die Zahl der Anbieter im Direktvertrieb wie im klassischen Onlinehandel deutlich gestiegen. Marke und Vertriebsnetz allein garantieren deshalb kein Wachstum.
Für Jennifer Orlando beginnt bei Juice Plus+ eine anspruchsvolle Aufgabe
In seiner Mitteilung stellt Juice Plus+ die Berufung als Beginn eines neuen Kapitels dar. Orlando verweist nach Angaben des Unternehmens auf die wachsende Bedeutung von Wellness und auf die Verbindung aus wissenschaftlich positionierten Produkten und einer großen Community.
Messen lassen wird sich der Erfolg an nüchterneren Kriterien: daran, ob Juice Plus+ den Rückgang in schwächeren europäischen Märkten stoppt, ob Kunden- und Vertriebspartnerzahlen wieder wachsen, ob aus der vorhandenen internationalen Infrastruktur organisches Wachstum entsteht und ob die neue CEO nach mehreren Wechseln längerfristige Kontinuität schafft.
Orlando übernimmt eines der traditionsreicheren Unternehmen der internationalen Network-Marketing-Branche. Marke, Produkte, internationale Märkte und eine über Jahrzehnte gewachsene Vertriebskultur sind vorhanden. Folgen muss nun eine wirtschaftliche Entwicklung, die zeigt, dass Juice Plus+ aus dieser Substanz wieder Wachstum erzeugt.






























