STOCKHOLM/FRANKFURT – Die Aktie des schwedischen Direct-Selling-Unternehmens Zinzino AB (publ) erlebt einen dramatischen Kurseinbruch. Seit dem Jahreshoch am 11. Juli 2025 bei 25,95 Euro ist der Wert um fast 50 Prozent auf aktuell 13,26 Euro abgestürzt – ein Verlust von 12,69 Euro pro Aktie. Allein in den letzten 30 Tagen verlor das Papier 29,29 Prozent, was bei Anlegern für Verunsicherung sorgte.

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Der dramatische Kurssturz hat auch massive Auswirkungen auf die Marktkapitalisierung: Der Unternehmenswert schrumpfte von etwa 855 Millionen Euro auf aktuell 437 Millionen Euro – ein Verlust von über 418 Millionen Euro Börsenwert binnen weniger Monate.

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Technische Indikatoren und Ranglisten-Abstufungen
Der Kursverlust hat dazu geführt, dass wichtige technische Indikatoren nach unten durchkreuzt wurden. Bereits am 18. August 2025 unterschritt die Aktie die 100-Tage-Linie, und am 12. September 2025 wurde auch die 200-Tage-Linie nach unten gekreuzt. Diese Entwicklungen signalisieren aus charttechnischer Sicht eine Eintrübung des mittel- und langfristigen Aufwärtstrends.
Die negative Entwicklung wurde auch von verschiedenen automatisierten Anlagemodellen reflektiert. Der BOTSI®-Advisor stufte die Zinzino-Aktie im September 2025 in seiner Trendauswertung mehrfach deutlich ab, was auf eine nachlassende Trendstärke hinweist. In der großen Trendauswertung vom 19. September 2025 fiel der Titel von Rang 397 auf Rang 411.
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Explosive Zahlen, dünne Margen
Die jüngsten Quartalsergebnisse zeigen das Dilemma des Unternehmens deutlich auf: Zinzino verzeichnete im zweiten Quartal 2025 ein beeindruckendes Umsatzwachstum von 57 Prozent auf 754,61 Millionen SEK gegenüber 485,1 Millionen SEK im Vorjahreszeitraum. Doch dieser spektakuläre Umsatzsprung geht zulasten der Rentabilität.
Die Kehrseite des Wachstums:
- EBITDA-Marge brach von 12,4 auf 10,0 Prozent ein
- Bruttomarge verschlechterte sich von 34,4 auf nur noch 31,2 Prozent
- Nach den Q2-Zahlen verlor die Aktie an einem Handelstag über 6,5 Prozent
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Trotz strategischer Akquisitionen starker Verkaufsdruck
Der jüngste Kursrutsch überrascht insofern, als das Unternehmen im September durch Nachrichten über Übernahmen und strategische Expansionen auf sich aufmerksam gemacht hat:
- 12. September 2025: Zinzino gab die Übernahme von Bodē Pro bekannt, um seine Positionierung in Nordamerika und Japan zu erhöhen.
- 5. September 2025: Das Unternehmen unterzeichnete eine Absichtserklärung zur Übernahme von Truvy mit dem Ziel, die Umsätze in Nordamerika, Lateinamerika und Südkorea zu steigern. Ende September erfolgte die Übernahme.
Trotz dieser strategisch wichtigen Schritte, die auf Wachstum abzielen, konnte der Verkaufsdruck am Markt nicht gestoppt werden. Investoren scheinen entweder durch breitere Marktbewegungen oder unternehmensspezifische Bedenken Kasse gemacht zu haben.
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Aggressive Expansionsstrategie als Belastung
Hauptverantwortlich für den Margendruck sind die hohen Kosten der jüngsten Akquisitionen. Im Juni übernahm Zinzino die Vermögenswerte des französischen Direktvertriebs-Unternehmens Ecosystem mit einem Umsatz von rund 40 Millionen SEK. Zusätzlich investiert der Konzern massiv in den chinesischen Markt und expandiert auf die Philippinen.
CEO Dag Bergheim Pettersen zeigt sich trotz der Marktreaktionen optimistisch und peilt für das Gesamtjahr 2025 eine Wachstumsrate von rund 50 Prozent an – weit über dem ursprünglichen Ziel von 20 Prozent.
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Technische Warnsignale häufen sich
Aus technischer Sicht zeigt sich ein besorgniserregendes Bild. Der bereits erwähnte Durchbruch der 100-Tage-Linie am 18. August und der 200-Tage-Linie am 12. September signalisiert eine deutliche Trendwende. Auf Wochensicht verlor die Aktie weitere 5,17 Prozent.
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Bewertung und Ausblick
Die Märkte stehen der aggressiven Expansionsstrategie skeptisch gegenüber. Investoren sorgen sich, ob das Unternehmen das massive Wachstum auch in nachhaltige Profitabilität übersetzen kann. Ein Lichtblick bleibt der operative Cashflow, der auf 112,6 Millionen SEK anstieg.
Zentrale Risikofaktoren:
- Margenverwässerung durch Akquisitionen
- Hohe Integrationskosten
- Währungseffekte belasten EBITDA
- Unsicherheit über Nachhaltigkeit des Wachstums
Die entscheidende Frage für Zinzino lautet: Kann das Unternehmen seine „Wachstumsinvestitionen“ erfolgreich in nachhaltige Gewinne verwandeln? Das Unternehmen wird seine Quartalsmitteilung für das 3. Quartal 2025 voraussichtlich am 19. November 2025 vorlegen, was Anlegern weitere Klarheit über die aktuelle Geschäftslage verschaffen dürfte.
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Wachstum durch aggressive Übernahmepolitik
Zinzino verfolgt eine systematische Akquisitionsstrategie und hat innerhalb von fünf Jahren neun Direktvertriebsunternehmen übernommen, wobei über 20 Millionen Euro investiert wurden. Mit potenziellen Earn-outs könnten bis zu 30 Millionen Euro fällig werden.
Die jüngsten Übernahmen 2025:
12. September 2025 – BodÄ“ Pro: Zinzino übernahm das von BK Boreyko (ehemaliger Vemma-Gründer) gegründete US-amerikanische Network-Marketing-Unternehmen durch eine Vermögensübernahme. Der Deal umfasst Vertriebspartnerdatenbank, Kundenregister, Inventar und IP-Rechte. BodÄ“ Pro erwirtschaftet etwa 7 Millionen US-Dollar jährlich, wobei 55 % des Umsatzes aus Japan stammen. Der Kaufpreis beträgt 2 Millionen US-Dollar sofort (50 % in Zinzino-Aktien), plus 0,4 Millionen US-Dollar aufgeschoben und bis zu 3,6 Millionen US-Dollar erfolgsabhängig.
5. September 2025 – Truvy: Zinzino unterzeichnete eine Absichtserklärung zur Übernahme des nordamerikanischen Gesundheitsanbieters Truvy mit einem jährlichen Umsatz von etwa 12 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen ist in Nordamerika, Lateinamerika und Südkorea aktiv. Der feste Kaufpreis beträgt 4 Millionen US-Dollar (100 % in Zinzino-Aktien), plus erfolgsabhängige Zahlungen von geschätzt 4 Millionen bis maximal 16 Millionen US-Dollar.
Weitere Übernahmen 2025: Zurvita, Valentus Global und Ecosystem SAS
Historische Akquisitionen: VMA Life (2020), Enhanzz (2022), Xelliss und ACN (2024)
Bis dahin dürften die Anleger weiterhin skeptisch bleiben, was sich in der anhaltenden Kursvolatilität widerspiegelt. Das schwedische Unternehmen steht vor der Herausforderung, seine ehrgeizigen Expansionspläne mit einer soliden Profitabilität in Einklang zu bringen. Die Zinzino-Aktie bleibt unter verschärfter Beobachtung des Marktes, bietet aber auch Chancen für Anleger.
Stand: 27. September 2025






























