Vom 19. bis 21. Oktober 2026 kam die internationale Direktvertriebsbranche zum 18. Weltkongress der World Federation of Direct Selling Associations (WFDSA) im Inspire Entertainment Resort in Incheon zusammen. Gastgeber war die Korea Direct Selling Industry Association (KDSA). Insgesamt nahmen rund 600 Teilnehmer aus Unternehmen, Verbänden, Behörden und Wissenschaft an der Convention in Incheon teil. Im Programm dominierten Themen wie künstliche Intelligenz, Verbraucherschutz und der Wandel der Konsumgewohnheiten.

Erstmals in Südkorea
Zum ersten Mal fand ein WFDSA-Weltkongress in Südkorea statt, zugleich die erste Ausgabe in Nordostasien. Das Land gehört zu den umsatzstärksten Direktvertriebsmärkten der Welt; Kosmetik, Nahrungsergänzung und eine digital geprägte Konsumkultur bestimmen sein Profil. Das Kongressmotto „Direct Selling: Powering Human Transformation“ stellte die persönliche Geschäftschance neben KI, Plattformökonomie und Regulierung.

Veranstalter war die WFDSA, die seit 1978 von Washington aus die Interessen der Branche vertritt. Die Organisation vor Ort lag bei der KDSA und der Stadt Incheon. Dem Organisationskomitee standen Atomy-Gründer und KDSA-Vorsitzender Han-Gill Park sowie Eun-Ja Shin, Geschäftsführerin von Amway Korea, vor. Neben Vorständen international tätiger Unternehmen kamen Vertreter nationaler Direktvertriebsverbände, Wissenschaftler, Behörden und Verbraucherschutzorganisationen nach Incheon.

Eröffnung mit dem früheren Premierminister Chung
Nach dem Empfang am 19. Oktober begann das Fachprogramm am folgenden Morgen mit dem Einzug der Ehrengäste und einem Auftritt der SDG Crew. Han-Gill Park und KDSA-Vizepräsident Won-Kyung Eo eröffneten die Veranstaltung, Roger Barnett, WFDSA-Vorsitzender und CEO von Shaklee, leitete den Weltkongress offiziell ein. Shaila Manyam, Executive Director und COO der WFDSA, stellte anschließend die Schwerpunkte des Verbandes vor.
Die erste politische Grundsatzrede hielt der frühere südkoreanische Premierminister Un-Chan Chung. Der Ökonom und ehemalige Präsident der Seoul National University beschrieb den Direktvertrieb als „Plattform des Vertrauens für gemeinsames Wachstum“. Auch das Grußwort von Dong-Il Nam, stellvertretendem Vorsitzenden der Korea Fair Trade Commission, ging um Glaubwürdigkeit: Digitale Werbung, Kundenbewertungen und KI eröffneten neue Möglichkeiten, verlangten aber korrekte Informationen, transparente Geschäftspraktiken und wirksame Selbstregulierung. Die Wettbewerbsbehörde ist in Korea auch für die Aufsicht über den mehrstufigen Vertrieb zuständig.

CEO-Runde mit Amway, Best World und USANA
Roger Barnett moderierte die Gesprächsrunde mit Michael Nelson, President und CEO von Amway, Dora Hoan, Mitgründerin und Global CEO von Best World International, und Kevin Guest, Chairman und CEO von USANA Health Sciences. Die drei Unternehmen stehen vor derselben Aufgabe: Kunden vergleichen Produkte online und erwarten schnelle, fundierte Beratung. Der persönliche Vertrieb muss deshalb digitalen Service, Schulung und länderübergreifend verlässliche Standards einbinden.
Blick auf Japan, Indonesien, China und Malaysia
Im anschließenden APAC-Panel sprachen Masaki Odai, Generalsekretär des japanischen Direktvertriebsverbandes, und Franciska Simanjuntak aus dem indonesischen Handelsministerium über Handel und Direktvertrieb in der Region; Ryan Napierski, CEO von Nu Skin Enterprises, moderierte. Japan steht dabei für einen reifen Markt, Indonesien für einen Wachstumsmarkt mit großer Bevölkerung.
China hatte einen eigenen Programmpunkt. Professor Sun Xuanzhong von der China University of Political Science and Law befasste sich mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Veränderungen im chinesischen Direktvertrieb. Aus Malaysia kam Muhd Fairuz Abdul Halim, stellvertretender Unterstaatssekretär im Ministerium für Binnenhandel und Lebenshaltungskosten; mit Roger Barnett diskutierte er darüber, wie sich strenge Aufsicht und internationale Expansion vertragen.
KI, Forschung und junge Zielgruppen
Am Nachmittag des 20. Oktober ging es um Digitalisierung. Dora Hoan eröffnete mit einem Vortrag über die Wettbewerbsvorteile, die dem Direktvertrieb unter dem Einfluss künstlicher Intelligenz bleiben. Danach diskutierten Professor Wei Wei, Leiter des Forschungszentrums für Direktvertrieb an der Universität Peking, und Dr. Paul Seehra, bei Amway verantwortlich für Ernährungswissenschaft und pflanzenbezogene Forschung, über Digitalisierung und KI; Shaila Manyam führte durch die Runde.
Digitale Werkzeuge verändern Schulung, Produktinformation und Kundenservice über Ländergrenzen hinweg. Zugleich wächst das Risiko fehlerhafter Gesundheitsaussagen, von Datenschutzverstößen und austauschbaren Werbebotschaften. Ein weiterer Programmpunkt galt der Generation Z und den Millennials; vorgesehen war ein Beitrag aus dem Umfeld von McKinsey, einen bestätigten Referenten nannte das offizielle Programm dazu nicht.
Keynote von Eliza Reid
Der zweite Kongresstag begann mit einer Aufführung der Ara Dance Company. Es folgte die Keynote von Eliza Reid, Autorin und früherer First Lady Islands. Unter dem Titel „Fish out of vatn“ erzählte sie von den unerwarteten Wegen einer Außenstehenden und von persönlicher Veränderung. Nach den Vorträgen über Strategie und Regulierung lenkte sie den Blick auf den Einzelnen: auf die Fähigkeiten, die Erfahrungen und die Verantwortung, die Menschen entwickeln, wenn sie ein eigenes Geschäft aufbauen.

K-Beauty, Asien-Pazifik und Influencer
Anschließend rückte Südkorea selbst in den Mittelpunkt. Marcus Sandström, Chief Sales Officer Asia Pacific bei PM-International, sprach über die Entwicklung der asiatisch-pazifischen Märkte. Dr. Yong-Soon Yoon, CEO von Atomy, griff die Entwicklung von Menschen innerhalb eines Unternehmens auf. Joong-Hyun Ahn, Gründer und Chairman von RIMAN, verband unter dem Titel „Innovation Builds. People Transform.“ koreanische Kosmetikforschung mit internationaler Markenführung.
Koreanische Kosmetikmarken setzen auf eigene Wirkstoffforschung und digitale Markenführung. Das verschafft ihnen Aufmerksamkeit auf Auslandsmärkten, verlangt aber auch belastbare Belege für Qualitäts- und Wirksamkeitsaussagen.
Wie stark soziale Netzwerke die klassischen Vertriebswege verändern, zeigte der Programmpunkt mit der koreanischen Beauty- und Lifestyle-Influencerin Lilycoco. Im Gespräch mit Shaila Manyam ging es um den Einfluss der verschiedenen Generationen im Netz. Für Direktvertriebsnetze sind Influencer Wettbewerber und mögliche Partner zugleich.
Verbraucherschutz nach koreanischem Muster
Ein eigener Korea-Schwerpunkt galt dem Verbraucherschutz. Byung-Ha Chung, Vorsitzender der Korea Special Sales Financial Cooperative Association (KOSSA), sprach über die Infrastruktur des Vertrauens im koreanischen Direktvertrieb. Der frühere Staatsanwalt vertritt eine Einrichtung mit gesetzlichem Auftrag: Unternehmen im Mehrstufenvertrieb müssen in Korea Verbraucheransprüche finanziell absichern, in der Regel über die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft wie KOSSA, die Rückzahlungen garantiert und Streitfälle schlichtet. Für international tätige Unternehmen heißt das, Rückgaberechte, Werbung und Vergütungspläne in jeder Rechtsordnung gesondert zu prüfen.

Panels zu Europa und Indien
Am Nachmittag des 21. Oktober waren bilaterale Gespräche des CEO Council mit Behördenvertretern vorgesehen. Parallel behandelte ein Panel den europäischen Markt: Frédéric Billon, Geschäftsführer des französischen Direktvertriebsverbandes und Vizepräsident von Seldia, diskutierte mit Oscar Cano Arias von Direct Selling Europe und Jochen Clausnitzer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland, über die regulatorischen Voraussetzungen für grenzüberschreitende Geschäftstätigkeit.
Den indischen Markt vertraten Ratnesh Lal von Herbalife India, Vorsitzender des indischen Direktvertriebsverbandes, Dr. Abraham Lee, Geschäftsführer von Atomy India, Rajat Banerji von Amway India sowie Romesh Puri, beim indischen Verband für Ethik und Compliance zuständig. Indien reguliert den Direktvertrieb seit Ende 2021 über eigene Consumer Protection (Direct Selling) Rules. Zum Abschluss des Programms waren die Bekanntgabe eines neuen WFDSA-Vorsitzes und der nächsten Gastgeberstadt vorgesehen.
Sponsoren und Aussteller
Die Sponsorenliste zeigt, wer in Incheon vertreten war. Platin-Partner waren Amway, Atomy, Best World International und RIMAN; zur Premier-Gruppe gehörten PM-International sowie die beiden koreanischen Verbraucherschutz-Genossenschaften MACCO und KOSSA. Als Gold-Sponsoren traten Infinitus und Worldpay auf, Silber-Partner waren Lala Korea International, Vorwerk, Herbalife und TIENS, Bronze-Partner Natura, Perfect, Future Health und InfoTrax. Darüber hinaus unterstützte Atomy das Sunset Dinner, Amway den Gala-Abend, Vorwerk den Empfang, Shaklee die Teilnehmerbänder und das Hong Kong Tourism Board die beiden Networking-Lunches.
An den Ständen im Foyer präsentierten sich Amway, Atomy, Best World, RIMAN, PM-International, PRISM, TOEVER, die Busan Tourism Organization, HICO aus Gyeongju, Club Med, Worldpay, KOSSA, PaxOn und die Incheon Tourism Organization. Eine eigene Experience Hall zeigte K-Beauty, K-Food und K-Culture; das Programm nennt dazu auch Amorepacific und Atomy. Neben den Vertriebsunternehmen gehörten damit Zahlungsdienstleister, Tourismusorganisationen und Verbraucherschutzeinrichtungen zum Umfeld des Kongresses.
Rahmenprogramm von Songdo bis zum Gala-Dinner
Die Gastgeber verbanden das Fachprogramm mit Ausflügen in die Region. Für den 19. Oktober standen Touren nach Songdo, zur Marina von Yeongjong und ins historische Open-Port-Viertel mit koreanischem Kochkurs auf dem Programm; am Abend folgte die offizielle Auftaktveranstaltung in der Mountain Hall. Am 20. Oktober gab es ein Sunset Dinner mit K-Pop-Auftritten an der Waterfront der SangSang Platform, am 21. Oktober den Abschlussempfang und das Gala-Dinner mit Preisverleihung im Inspire Resort. Incheon hatte sich 2023 in Dubai gegen Sydney und Bali als Austragungsort durchgesetzt und nutzte den Kongress, um sich als Tagungsstandort zu zeigen.
Das Programm kreiste um den Umgang mit künstlicher Intelligenz im persönlichen Verkauf, um die Regulierung in Asien, Europa und Indien und um die Frage, wie der Direktvertrieb jüngere Konsumenten erreicht. Südkorea nutzte den Kongress zugleich, um seine Kosmetik- und Gesundheitsmarken einem internationalen Publikum zu zeigen.
Credit: Direct Selling Magazine – Digital Protect System






























