Niederländische Wurzeln und ein unerschütterlicher Glaube
Richard Marvin DeVos Sr. wurde am 4. März 1926 in Grand Rapids, Michigan, als Sohn niederländischer Einwanderer geboren. Sein Vater Eelco DeVos und seine Mutter Elsa Miedema vermittelten ihm früh die Werte protestantischer Arbeitsethik: Disziplin, Gottvertrauen und den festen Glauben, dass harte Arbeit jeden Weg ebnen kann. Grand Rapids, eine mittelgroße Industriestadt am westlichen Rand von Michigan, war geprägt von einer Gemeinschaft reformierter Christen niederländischer Herkunft – einem Milieu, das DeVos’ Weltbild für sein gesamtes Leben formen sollte.
„Das Einzige, was einen Menschen von dem trennt, was er vom Leben will, ist oft nur der Wille, es zu versuchen – und der Glaube daran, dass es möglich ist.“
Auf der Grand Rapids Christian High School traf er Jay Van Andel, einen Mitschüler, der seine Leidenschaft für das Unternehmertum teilte. Diese Freundschaft – DeVos der Redner und Motivator, Van Andel der strategisch denkende Organisator – sollte die Grundlage für alles Kommende und die größte Erfolgsgeschichte im Network Marketing legen.
Nutrilite und die Entdeckung des Network Marketing
Nach dem Militärdienst in der United States Army Air Forces kehrte DeVos nach Grand Rapids zurück und begann ein Wirtschaftsstudium am Calvin College, das er ohne Abschluss beendete, um sich dem Unternehmertum zuzuwenden. Ein frühes Chartergeschäft mit Segelbooten, das er 1949 gemeinsam mit Van Andel gründete, scheiterte nach kurzer Zeit – eine Lektion, die DeVos prägen sollte.
„Man kann kein positives Leben führen, wenn man einen negativen Geist hat.“
Weitaus folgenreicher war der Einstieg bei Nutrilite, einem amerikanischen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, der ein neuartiges Vertriebsmodell erprobte: Unabhängige Partner warben nicht nur Kunden, sondern auch neue Vertriebspartner und verdienten an deren Umsätzen mit. DeVos und Van Andel erkannten das Potenzial dieses Systems und bauten innerhalb weniger Jahre ein eigenes Netzwerk auf. Diese Phase bildete das konzeptionelle Fundament für das, was 1959 in Ada, Michigan, seinen Anfang nehmen sollte.
Die Gründung von Amway 1959: Ein Mehrzweckreiniger als Startschuss
Am 1. Januar 1959 gründeten Richard DeVos und Jay Van Andel in Ada, Michigan, die American Way Association – kurz: Amway. Der Name war Programm und zugleich Bekenntnis: Der amerikanische Weg stand für Freiheit, Eigenverantwortung und unternehmerische Initiative. Das erste Produkt, ein Mehrzweckreiniger namens Liquid Organic Cleaner (LOC), erschien zunächst unscheinbar – doch die dahinterstehende Idee war weitreichend. DeVos und Van Andel wollten ein System schaffen, in dem jeder Mensch unabhängig von Herkunft ein eigenes Geschäft aufbauen konnte.
„Verkaufen bedeutet teilen. Wenn man an das glaubt, was man tut, verkauft man nicht – man teilt.“
Das Vergütungssystem von Amway setzte Maßstäbe für die Direktvertriebsbranche: Vertriebspartner wurden nicht nur für eigene Umsätze entlohnt, sondern auch für die Leistung der von ihnen geworbenen Partner. Dieses strukturierte und skalierbare Modell ermöglichte es dem Unternehmen, zunächst national und später weltweit zu wachsen.
Globale Expansion: Amway wird zum weltweiten Direktvertriebsgiganten
In den 1960er und 1970er Jahren expandierte Amway zunächst nach Kanada, dann nach Australien, Europa und Japan. Die Übernahme der Mehrheitsanteile an Nutrilite im Jahr 1972 markierte dabei einen strategischen Meilenstein: Nahrungsergänzungsmittel wurden zur tragenden Säule des Portfolios. Als DeVos in den 1980er Jahren als President und CEO das operative Steuer übernahm, zählte Amway bereits Millionen unabhängiger Vertriebspartner weltweit.
Philanthrop und NBA-Eigentümer: Mehr als ein Unternehmer
1989 erwarb Richard DeVos das NBA-Team Orlando Magic und engagierte sich fortan für den Profisport als Plattform für Gemeinschaft und Stadtentwicklung. Gleichzeitig förderte er über die Richard and Helen DeVos Foundation die Bereiche Medizin, Bildung sowie Kunst und Kultur und spendete Millionen an Universitäten und Krankenhäuser in Michigan. Sein Sohn Richard DeVos Jr. übernahm nach dem schrittweisen Rückzug des Vaters ab 1993 zentrale Führungspositionen im Konzern.
„Geld ist nicht das Ziel. Geld ist ein Nebenprodukt davon, etwas Wertvolles zu tun.“
Richard DeVos Sr. starb am 6. September 2018 im Alter von 92 Jahren in Grand Rapids – der Stadt, in der alles begann. Er hinterließ ein Unternehmen, das nach eigenen Angaben in mehr als hundert Ländern aktiv ist und Millionen von Vertriebspartnern zählt. Seine Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht und die Fähigkeit besitzt, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, bleibt das Fundament, auf dem Amway bis heute steht.
Zum hundertsten Geburtstag von Richard DeVos ist es vordergründig das Menschliche, das bleibt: ein Unternehmer, der in Zeiten des Wandels an Beständiges glaubte – und der mit seinem Lebenswerk bewies, dass unternehmerische Vision keine Frage der Herkunft, sondern des Willens ist.
„Wir alle sind aus einem bestimmten Grund geschaffen worden. Erkenne deinen Zweck, verfolge ihn mit Leidenschaft und hinterlasse die Welt als einen besseren Ort.“ – Richard DeVos






























