Farmasi---Jerelia

Farmasi übernimmt ukrainisches Direct-Selling-Unternehmen Jerelia

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Farmasi, das aus den USA agierende Direct-Selling-Unternehmen mit Headquarter in Miami, hat scheinbar das 2014 von Andrij Prokopenko und Serhij Schtscherbyna gegründete ukrainische Direktvertriebsunternehmen Jerelia übernommen. Zwar vermeiden die Unternehmen in ihrer Kommunikation den Begriff der Übernahme, aber die Zeichen scheinen eindeutig zu sein. Über die finanziellen Konditionen gibt es keine Angaben. 

Jerelia: Anbieter für Kosmetik- und Wellnessprodukte

Farmasi spricht von einer strategischen Partnerschaft mit Jerelia, einem ukrainischen Direct-Selling-Anbieter für Kosmetik- und Wellnessprodukte. Der operative Vollzug trägt jedoch die Züge einer Integration oder Übernahme: Die Führungskräfte von Jerelia wechseln in das Farmasi-Netzwerk, das gemeinsame Geschäft läuft unter dem Markendach von Farmasi, und sämtliche Bestellungen werden inzwischen über die Farmasi-Plattform abgewickelt. Kaufpreis, Anteilsverhältnisse oder gesellschaftsrechtliche Details nannte bislang keine Seite. Bekannt gegeben wurde die Zusammenführung am 2. Juli 2026 über den Unternehmensblog von Jerelia.

 

Jerelia in Zahlen – die Bilanz von zwölf Jahren Aufbauarbeit

Kennzahl

Wert

Partnerregistrierungen (kumuliert)

874.381

Bearbeitete Bestellungen

4.400.285

Verkaufte Produkte

28.601.853

Ausgezahlte Vergütungen

204.290.539 UAH

Ausgezahlte Vergütungen (umgerechnet)

rund 4,56 Mio. US-Dollar

Cashback für VIP-Kunden

3.057.112 UAH

Fahrzeuge Autoprogramm

15

Gemeinsame Incentive-Reisen

87

Durchgeführte Webinare

1.698

 

Quelle: Jerelia, Mitteilung an die Vertriebspartner vom 2. Juli 2026. Die Angaben sind kumulierte Werte seit Unternehmensgründung und keine Momentaufnahme des aktiven Partnerbestands. Umrechnung zum offiziellen Kurs der Nationalbank der Ukraine vom 1. Juli 2026 (1 US-Dollar = 44,79 UAH).

 

10.000 unabhängige Vertriebspartner – 50 Festangestellte

Die Zahl von 874.381 Registrierungen beschreibt sämtliche Anmeldungen seit dem Start und lässt keinen Rückschluss darauf zu, wie viele Partner zuletzt aktiv verkauften. Das Branchenprofil der Ukrainischen Direktvertriebsvereinigung UDSA nennt für Jerelia gut 10.000 unabhängige Vertriebspartner sowie 50 Festangestellte – ein Wert, der die Größenordnung des tatsächlich arbeitenden Netzwerks realistischer abbildet. Wie viele dieser Partner den Wechsel zu Farmasi mitgehen, ist bislang offen.

Ein Kiewer Kosmetikanbieter mit Produktion ausschließlich im eigenen Land

Jerelia, in kyrillischer Schreibweise Джерелія, entstand 2014 und wurde von den ukrainischen Unternehmern Andrij Prokopenko und Serhij Schtscherbyna gegründet. Der Firmenname leitet sich vom ukrainischen Wort für Quelle ab. Die Hauptverwaltung sitzt im Kiewer Umland, vertreten ist das Unternehmen nach Verbandsangaben in allen Regionen des Landes. Das Sortiment umfasst mehr als 400 Artikel: Pflegeprodukte für Haut, Körper und Haar, dekorative Kosmetik, Parfüms, Nahrungsergänzung und funktionelle Lebensmittel, dazu ökologische Wasch- und Reinigungsmittel sowie Accessoires und Silberschmuck.

 

Charakteristisch für das Geschäftsmodell ist die konsequente Beschränkung auf heimische Fertigung. 

 

Jerelia arbeitet mit rund 70 ukrainischen Produzenten zusammen, deren Standorte sich von Spas in der Westukraine über Kiew und Dnipro bis nach Charkiw erstrecken. Die Ware wird nach Unternehmensangaben aus zertifizierten Rohstoffen hergestellt, verfügt über Zulassungen des ukrainischen Gesundheitsministeriums und wird nicht an Tieren getestet. Das Unternehmen beschreibt sich selbst als Plattform für ukrainische Hersteller und wirbt mit dem Leitsatz „Produziere Ukrainisches – kaufe Ukrainisches“. Die Eigenwerbung als „Nummer eins“ im ukrainischen Direktvertrieb ist eine Selbsteinschätzung des Unternehmens und lässt sich anhand veröffentlichter Umsatzdaten nicht überprüfen. Jerelia gehört der Ukrainischen Direktvertriebsvereinigung UDSA an, dem nationalen Verband unter dem Dach der WFDSA.

Was der Wechsel für die Vertriebspartner konkret bedeutet

Der Übergang wurde technisch so gestaltet, dass die gewachsenen Organisationen erhalten bleiben. Partner melden sich auf der Farmasi-Plattform mit ihren bisherigen Jerelia-Zugangsdaten an; als Benutzername dient das Kürzel UA‑, gefolgt von der bisherigen Registriernummer, das Passwort bleibt unverändert. Nach dem Login sehen die Partner ihre Struktur und ihre bisherige Bestellhistorie. Für die Produkte von Jerelia wurde im Farmasi-Shop ein eigener Markenbereich eingerichtet, wobei während der Übergangsphase einzelne Artikel wegen laufender Notifizierungsverfahren zeitweise nicht verfügbar sind. Im Gegenzug erhalten die Partner Zugriff auf das internationale Sortiment von Farmasi sowie auf dessen Schulungs- und Motivationsprogramme.

Farmasi: 600 Millionen US-Dollar Umsatz und Platz elf im DSN-Ranking

Farmasi geht auf den türkischen Arzt und Unternehmer Dr. Cevdet Tuna zurück, der ab 1950 in Istanbul erste eigene Präparate formulierte und 1998 den Grundstein für das heutige Kosmetikgeschäft legte. 2010 stellte das Unternehmen auf den Direktvertrieb um. Geführt wird es heute in dritter Generation von den Brüdern Sinan Tuna als Chief Executive Officer und Emre Tuna als Präsident; es befindet sich weiterhin vollständig in Familienbesitz.

2025 erzielte Farmasi einen Umsatz von mehr als 600 Millionen US-Dollar nach 429 Millionen US-Dollar im Vorjahr, was einem Zuwachs von rund 42 Prozent entspricht. Für 2026 peilt das Unternehmen 800 Millionen US-Dollar an. In der DSN Global 100 des Jahres 2026 belegt Farmasi Platz elf, nach Rang 27 im Jahr zuvor. 

Der ukrainische Direktvertriebsmarkt im Zahlenwerk der WFDSA

Kennzahl Ukraine

2023

2024

Umsatz in Mio. US-Dollar

191

189

Vertriebspartner

683.461

600.079

Quelle: WFDSA Annual Report; Umsätze auf geschätzter Einzelhandelsebene exklusive Mehrwertsteuer, Umrechnung zu durchschnittlichen IWF-Wechselkursen.

Mit 189 Millionen US-Dollar rangiert die Ukraine 2024 im europäischen Vergleich im hinteren Mittelfeld und trägt rund 0,5 Prozent zum europäischen Gesamtumsatz von 35,352 Milliarden US-Dollar bei. Mit 600.079 Vertriebspartnern stellt das Land nach Russland und der Türkei die drittgrößte Partnerbasis außerhalb der Europäischen Union und liegt personell vor Märkten wie Frankreich oder Italien, die ein Vielfaches an Umsatz erwirtschaften.

Rechnerisch entfallen auf jeden ukrainischen Vertriebspartner rund 315 US-Dollar Jahresumsatz, während der europäische Durchschnitt bei etwa 2.745 US-Dollar liegt. Diese Struktur ist typisch für osteuropäische Märkte, in denen der Direktvertrieb breit in der Bevölkerung verankert ist, gleichzeitig aber auf niedrigem Preisniveau stattfindet. Gegenüber 2023 gaben Umsatz und Partnerzahl leicht nach, was den Kriegsfolgen und der Abwanderung erwerbsfähiger Bevölkerung zuzuschreiben sein dürfte.

Führungswechsel unter dem Vorzeichen gemeinsamer Werte

Emre Tuna ordnete den Schritt als mehr als das Zusammengehen zweier Organisationen ein und sprach von einer Übereinstimmung in Werten, unternehmerischer Haltung und Zukunftsvorstellung. Man empfange die Führungskräfte und die Gemeinschaft von Jerelia in der Farmasi-Familie und wolle deren Wachstum mit der globalen Plattform, dem Produktportfolio und internationalen Möglichkeiten, die Farmasi bietet, unterstützen“, so Tuna. Farmasi bezeichnete die Vereinbarung als Teil seiner Strategie, in Schlüsselmärkte zu investieren und Selbstständige mit Produkten, digitalen Werkzeugen und Weiterbildung auszustatten.

Aus Sicht von Jerelia stand bei der Partnerwahl der Erhalt des Bestehenden im Vordergrund. Als Kriterien nannte das Unternehmen den Fortbestand der Marke, die Beibehaltung der ukrainischen Produktion, die Kontinuität des Geschäfts für die Partner, die Erweiterung des Sortiments und den Zugang zu internationalen Märkten. Man verabschiede sich nicht von Jerelia, sondern eröffne der Marke eine neue Entwicklungsstufe, heißt es in der Mitteilung an die Vertriebspartner.

Zukauf von Reichweite in einem schwierigen Markt

Für Farmasi erschließt der Schritt eine etablierte Vertriebsorganisation samt lokalem Fertigungspartner in einem Markt, den viele internationale Wettbewerber seit 2022 zurückhaltend behandeln. Das Muster fügt sich in die Expansionsstrategie des Jahres 2026 ein, die zuvor bereits acht europäische Markteröffnungen an einem Tag umfasste. Für Jerelia wiederum löst die Zusammenführung ein strukturelles Problem: Ein rein national aufgestellter Anbieter mit ausschließlich heimischer Fertigung stößt in einem schrumpfenden Binnenmarkt an Wachstumsgrenzen. Ob sich die kumulierten 874.381 Registrierungen in eine nennenswerte Zahl aktiver Farmasi-Partner übersetzen lassen, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

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