Das Direktvertriebsunternehmen Amway Corporation mit Hauptsitz in Ada, Michigan, hat einen jahrelangen Rechtsstreit um seine Bio-Farm Rancho El Petacal im mexikanischen Bundesstaat Jalisco verloren. Ein internationales Schiedsgericht wies die Klage der Amway-Tochter Access Business Group (ABG) auf rund 2,7 Milliarden US-Dollar Schadensersatz vollständig ab und verurteilte das Unternehmen zur Zahlung von 1,3 Millionen US-Dollar Verfahrenskosten an den mexikanischen Staat. Der Fall, der historische Landrechte mexikanischer Bauern gegen die Interessen eines multinationalen Konzerns stellte, reicht in seinen Ursprüngen bis ins Jahr 1936 zurück.
Ein Landkonflikt mit Wurzeln in der mexikanischen Agrarreform
Die Geschichte des Konflikts beginnt am 14. Dezember 1936, als eine Gruppe von zwanzig Landarbeitern im Dorf San Isidro, Gemeinde San Gabriel (damals Venustiano Carranza) im Bundesstaat Jalisco, einen Antrag auf Landzuteilung stellte. Mexiko befand sich in der Ära der Agrarreform unter Präsident Lázaro Cárdenas del RÃo, der mit einer umfassenden Landumverteilung die Rechte der indigenen und bäuerlichen Bevölkerung stärken wollte.
Am 23. August 1939 erging die sogenannte Resolución Presidencial, ein Präsidialerlass, der dem Ejido San Isidro insgesamt 536 Hektar Land zusprach: 256 Hektar der Hacienda de San Isidro und 280 Hektar der Hacienda El Petacal. Der Erlass wurde im Diario Oficial de la Federación, dem mexikanischen Amtsblatt, veröffentlicht. Er hatte nach mexikanischem Recht den Charakter einer endgültigen und unabänderlichen Entscheidung.
Die unvollständige Übergabe von 1940
Als im Jahr 1940 die Umsetzung des Präsidialerlasses erfolgen sollte, erhielt das Ejido San Isidro lediglich die 256 Hektar der Hacienda de San Isidro. Der zuständige Beamte teilte den Ejidatarios bei seiner Ankunft auf der Hacienda El Petacal mit, dass die dortigen 280 Hektar bereits anderen Gemeinden zugeteilt worden seien. Die Landzuweisung blieb somit unvollständig.
„Seit 1940 unternahmen sie Aktionen, Besuche und Eingaben, um zu diesem Moment zu gelangen, in dem ihnen die 280 Hektar von El Petacal übergeben werden“, beschrieb Carmen Figueroa González die jahrzehntelange Geschichte der Gemeinde. Die Anwältin vertrat das Ejido San Isidro über einen Zeitraum von mehr als 22 Jahren vor den mexikanischen Agrargerichten.
Wechselnde Eigentümer und fragwürdige Verkäufe
Die Geschichte der Hacienda El Petacal nahm in den folgenden Jahrzehnten eine verschlungene Wendung. Im Jahr 1981 tauchten 300 Hektar auf, die auf den Namen MarÃa Rojas registriert und durch ein landwirtschaftliches Unantastbarkeitszertifikat (Certificado de Inafectabilidad AgrÃcola Nr. 3642) geschützt waren. Dieses Zertifikat wurde allerdings am 23. Januar 1985 von der Agrarbehörde aufgehoben.
Laut der Ejido-Anwältin Carmen Figueroa González verlief die Eigentumskette wie folgt: MarÃa Rojas, Besitzerin der Haciendas El Petacal und El Huizichi, verstarb. Ihre Mutter erbte die Rechte und verkaufte das Land, obwohl es bereits für die Ejido-Zuteilung vorgesehen war, an José Benavides. Dieser veräußerte es an Juan Larios, der es wiederum an vier Strohleute übertrug. Im Jahr 1994 überschrieben diese vier Personen das Land auf den Namen Nutrilite, eine Tochtergesellschaft von Amway. Nach Einschätzung der Anwältin waren sämtliche Transaktionen in dieser Kette rechtswidrig, da das Land bereits als für die Ejido-Zuteilung vorgesehen (im mexikanischen Agrarrecht als „afectadas“ bezeichnet) galt.
Amways Einstieg: Der Aufbau von Rancho El Petacal
Das Direktvertriebsunternehmen Amway erwarb das Land in zwei Tranchen über seine mexikanische Tochtergesellschaft Nutrilite S.R.L. de C.V. Den ersten Kauf von 160 Hektar (395 Acres, Grundstücke „Puerta El Petacal Tres“ und „Puerta El Petacal Cuatro“) schloss das Unternehmen am 13. April 1992 ab. Am 12. Mai 1994 folgte der Erwerb der verbleibenden 120 Hektar (296 Acres, Grundstücke „Puerta El Petacal Uno“ und „Puerta El Petacal Dos“).
Das Unternehmen investierte in den folgenden Jahrzehnten umfangreich in den Aufbau des Standorts. Die Farm mit einer Gesamtfläche von rund 643 Hektar (1.589 Acres) wurde zu einer zertifizierten Bio-Farm für die Nutrilite-Produktlinie ausgebaut. Auf dem Gelände entstanden Forschungs-, Verarbeitungs- und Verpackungsanlagen. Angebaut wurden unter anderem Spinat, Grünkohl, Brunnenkresse, Alfalfa, Brokkoli, Petersilie, Salbei, Chia, Rosmarin, Picão Preto, Grapefruit und Orangen. Die Ernte vieler Produkte erfolgte per Hand.
Millionen-Investitionen in die lokale Infrastruktur
Amway errichtete über die Jahre eine rund sechs Kilometer lange Zufahrtsstraße zur Farm, eine Brücke sowie eine Kläranlage für die umliegende Gemeinde. Das Unternehmen finanzierte zudem den Bau einer Kirche, einer Fußballanlage und beteiligte sich an der Instandhaltung einer Grundschule. Auf dem Farmgelände selbst wurde ein Kultur- und Bildungszentrum eingerichtet, in dem Ernährungs- und Ökologiekurse für Kinder und Mütter aus der Region angeboten wurden. Nach Unternehmensangaben beschäftigte die Farm rund 450 Arbeiter.
Amway beteiligte sich gemeinsam mit Nutrilite Products Inc. (NPI) auch an der Elektrifizierung der südlichen Region des Bundesstaates Jalisco. Die Farm war Teil eines globalen Netzwerks von vier zertifizierten Bio-Farmen der Marke Nutrilite, zu dem auch die Fazenda Amway Nutrilite in Brasilien sowie die Trout Lake East und West Farms im US-Bundesstaat Washington gehören. Die Nutrilite-Marke wirbt mit dem Konzept der lückenlosen Rückverfolgbarkeit vom Saatgut bis zum fertigen Nahrungsergänzungsmittel.
Die Perspektive der Gemeinde: Monopolisierung von Ressourcen
Die Bewohner von San Isidro zeichneten ein anderes Bild der Investitionen. Laut lokalen Medienberichten beklagten sie, dass Amways umfangreiche Investitionen in die Region, darunter der Straßenbau und das Bohren von Brunnen, kommunale Ressourcen monopolisiert und Umwelt- sowie Gesundheitsschäden in der Umgebung verursacht hätten.
„Dieses Land wurde gestohlen, zuerst von den Grundherren der Hacienda, und dann kam das Schlimmste, als die Regierung das Land einem multinationalen Unternehmen statt uns Bauern übergab“, sagte Raúl De la Cruz Reyes, Vorsitzender des Ejido San Isidro, im Jahr 2022 gegenüber der mexikanischen Publikation Pie de Página.
29 Jahre Kampf vor den Agrargerichten
Ab 1993 setzte das Ejido San Isidro seinen Rechtsanspruch vor den mexikanischen Agrargerichten (Tribunales Agrarios) durch und erstritt mehrfach Urteile, die die Vollstreckung der ursprünglichen Präsidialresolution anordneten. Die ergänzende Vollstreckung der Resolución Presidencial wurde insgesamt dreimal angeordnet: am 30. Juni 1993 durch die SecretarÃa de la Reforma Agraria (heute SEDATU), am 6. März 1998 erneut durch dieselbe Behörde und ein drittes Mal am 26. April 2022.
Amway argumentierte seinerseits, dass die mexikanische Regierung sämtliche Drittansprüche auf das Grundstück Rancho El Petacal beigelegt habe. „Bemerkenswerterweise war genau dasselbe Ministerium, das uns jetzt unser Eigentum genommen hat, maßgeblich an der Beilegung der Ansprüche beteiligt, holte Verzichtserklärungen von allen Anspruchstellern ein und verteidigte diese Verzichtserklärungen erfolgreich in mehreren mexikanischen nationalen Gerichtsverfahren“, teilte das Unternehmen mit.
Juli 2022: Die Rückgabe des Landes
Am 27. Juni 2022 erhielt der Ejido-Vorstand von San Isidro, bestehend aus dem Vorsitzenden Raúl De la Cruz Reyes, dem Sekretär Alejo Enciso Estrada und dem Schatzmeister Raúl Villaseñor Camberos, die Mitteilung, dass am 30. Juni die ergänzende Vollstreckung der Präsidialresolution beginnen werde.
Am 30. Juni 2022 traf eine technische Brigade des Registro Agrario Nacional (RAN) im Ejido-Haus ein, um die Vermessung und den Grenzfeststellungsprozess für die 280 Hektar der Hacienda El Petacal durchzuführen. Die Stimmung unter den Bauern war geprägt von Dankbarkeit und Ergriffenheit. Die Ejidatarios sangen Corridos, die sie im Laufe ihres Kampfes komponiert hatten, einige davon aus dem Gefängnis, andere während der Verfolgung.
Am 1. Juli 2022 schloss die SEDATU (SecretarÃa de Desarrollo Agrario, Territorial y Urbano) eine Vereinbarung mit dem Ejido San Isidro: Das Unternehmen Amway-Nutrilite sollte innerhalb von 24 Stunden seine Eigentumsrechte an den 280 Hektar nachweisen. Die Behörde verlängerte die Frist allerdings auf 72 Stunden und verschob die Landübergabe um weitere acht Tage.
Amways Verzögerungstaktik: Eilige Aussaat auf 160 Hektar
Das Direktvertriebsunternehmen nutzte die gewonnene Zeit. Laut Zeugenaussagen aus der Gemeinde ließ Amway-Nutrilite in aller Eile Maschinen aus benachbarten Gemeinden anliefern und bezahlte Arbeiter dafür, in kürzester Zeit Kichererbsen auf möglichst vielen der 160 Hektar auszusäen. Das Unternehmen berief sich dabei auf Artikel 302 der mexikanischen Ley Federal de la Reforma Agraria, der besagt, dass bestellte Flächen erst nach der Ernte übergeben werden müssen. Dieses Gesetz war zwar 1992 durch ein neues Agrargesetz abgelöst worden, blieb aber auf den vorliegenden Fall anwendbar.
Am 12. Juli 2022 reichte Amway-Nutrilite zudem einen Amparo-Antrag (Verfassungsbeschwerde) ein, um die Übergabe des Landes zu verhindern. Dieser wurde vom zuständigen Gericht jedoch abgewiesen.
Am 14. Juli 2022 erfolgte die offizielle Übergabe. Das Ejido San Isidro erhielt die juristische Besitzurkunde über sämtliche 280 Hektar. Physisch zugänglich waren jedoch lediglich 120 Hektar. Die verbleibenden 160 Hektar, auf denen Nutrilite eilig gesät hatte, sollten spätestens am 14. Januar 2023 geräumt und übergeben werden. Nutrilite kam dieser Verpflichtung nicht nach und erwirkte erneut gerichtlichen Aufschub.
Im Januar 2023 stellte die SEDATU den Plano Definitivo des Ejido fertig und übergab dem Ejido San Isidro die sogenannte Carpeta Básica, bestehend aus der Präsidialresolution von 1939, dem endgültigen Flächenplan und dem Besitz- und Grenzfeststellungsprotokoll vom 14. Juli 2022. Damit war der jahrzehntelange Verwaltungsprozess auf mexikanischer Seite formal abgeschlossen.
Die internationale Schiedsklage: 2,7 Milliarden US-Dollar Schadensersatz
Im Oktober 2022 reichte Access Business Group (ABG), eine Tochtergesellschaft von Amway und juristische Eigentümerin von Nutrilite S.R.L., gemäß Artikel 1119 des NAFTA-Abkommens eine Notice of Intent to Submit a Claim to Arbitration ein. Im April 2023 registrierte das International Centre for Settlement of Investment Disputes (ICSID) in Washington, D.C., das Verfahren unter dem Aktenzeichen ARB/23/15.
ABG machte geltend, dass die Enteignung der Rancho El Petacal gegen Kapitel 11 des NAFTA-Abkommens verstoße. Konkret berief sich das Unternehmen auf vier Bestimmungen: das Verbot der Enteignung ohne öffentlichen Zweck, ohne Entschädigung, ohne ordnungsgemäßes Verfahren und auf diskriminierender Grundlage. Ferner beanstandete ABG Verstöße gegen die Standards der gerechten und billigen Behandlung (Fair and Equitable Treatment) sowie der Inländerbehandlung (National Treatment). Die Schadenssumme bezifferte das Unternehmen auf rund 2,7 Milliarden US-Dollar (in früheren Eingaben bis zu 3 Milliarden US-Dollar).
Amway wurde im Verfahren von der in Miami ansässigen Kanzlei Bryan Cave Leighton Paisner LLP vertreten. Die gesamten Rechtskosten des Unternehmens beliefen sich auf rund 3,5 Millionen US-Dollar.
Mexikos Strategie: Bifurkation und Jurisdiktionseinwand
Mexiko beantragte im Juli 2024 eine Bifurkation des Verfahrens, also die Aufteilung in eine vorgelagerte Zuständigkeitsphase und eine mögliche spätere Sachprüfung. Das Schiedsgericht gab diesem Antrag am 29. August 2024 statt und ordnete zunächst die Prüfung der Zuständigkeitsfrage an.
Am 29. November 2024 legte Mexiko sein Memorial on Objections to Jurisdiction vor. Das zentrale Argument: Die Enteignung vom Juli 2022 fand mehr als zwei Jahre nach dem Ende des NAFTA-Abkommens statt (NAFTA wurde am 1. Juli 2020 durch das USMCA ersetzt). Die angefochtenen Maßnahmen könnten daher keine Verstöße gegen Verpflichtungen darstellen, die zum Zeitpunkt der Maßnahme nicht mehr in Kraft waren.
Im März 2025 reichten sowohl die Regierung Kanadas als auch die Regierung der Vereinigten Staaten als Nicht-Streitparteien Stellungnahmen gemäß NAFTA-Artikel 1128 ein. Am 7. April 2025 fand die mündliche Verhandlung zur Zuständigkeitsfrage statt.
Der Schiedsspruch vom 21. November 2025
Am 21. November 2025 verkündete das Schiedsgericht seinen Spruch. Mit Stimmenmehrheit stellte das Tribunal fest, dass es keine Zuständigkeit zur Entscheidung des Falles habe, und wies die Klage vollständig ab.
Die zentrale Begründung: Die angefochtenen Maßnahmen Mexikos erfolgten mehr als zwei Jahre nach dem Ende des NAFTA-Abkommens und konnten daher nicht als Verstöße gegen Verpflichtungen gewertet werden, die zum Zeitpunkt der Maßnahme nicht mehr in Kraft waren. Auch unter Annex 14-C des USMCA, der bestimmte NAFTA-Altfälle übergangsweise abdeckt, sah das Gericht keine Grundlage für seine Zuständigkeit.
Das Tribunal verurteilte Access Business Group zur Zahlung von insgesamt rund 1,3 Millionen US-Dollar an Schiedsgerichts- und ICSID-Verwaltungsgebühren sowie der Rechtskosten Mexikos.
Reaktionen: Zwischen historischem Triumph und fortgesetztem Rechtsstreit
Das mexikanische Wirtschaftsministerium (SecretarÃa de EconomÃa) bestätigte den Schiedsspruch am 25. November 2025 in einer offiziellen Erklärung. Der vollständige Schiedsspruch wird nach Prüfung vertraulicher Informationen auf der ICSID-Website veröffentlicht.
Die Ejidatarios von San Isidro feierten die Entscheidung als historischen Triumph im Kampf um ihre Landrechte. Für sie war der Streit die Fortführung eines seit 1936 andauernden Kampfes um die Umsetzung der mexikanischen Agrarreform.
Amway hingegen kündigte an, den Betrieb auf Rancho El Petacal „auf absehbare Zeit“ fortsetzen zu wollen. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über eine einstweilige Verfügung (Injunction), die ihm den Weiterbetrieb der Farm ermöglicht, und verfolgt parallel weiterhin Rechtsmittel vor mexikanischen Gerichten.
Die juristische Einordnung: Mehr als ein Landstreit
Rechtsexperten bewerteten den Fall als mehr als eine bloße Eigentumstreitigkeit zwischen Investor und Staat. Stuart, Professor an der Grand Valley State University in Michigan, bezeichnete den Fall als grundsätzliche Frage nach dem Recht von Staaten, Land zu enteignen und umzuwidmen. Er merkte an, dass die Landrechte der lokalen Bevölkerung anerkannt werden sollten, das eigentliche Problem aber darin bestehe, dass die mexikanische Regierung Amway für das enteignete Land nicht entschädigt habe, obwohl das Unternehmen über Jahrzehnte in den Standort investiert hatte.
Da Amways stärkstes Argument auf internationalen Handelsabkommen beruhte, prognostizierte Stuart dem Unternehmen einen schwierigen Weg durch das mexikanische Gerichtssystem. Die einstweilige Verfügung erlaube Amway jedoch vorerst, die Farm weiterzubetreiben und damit Einnahmen zu erzielen, was angesichts der Summen, um die es gehe, eine Fortsetzung des Rechtsstreits rechtfertige.
Was der Verlust für Amways Nutrilite-Geschäft bedeutet
Die Rancho El Petacal war ein zentraler Baustein der Nutrilite-Produktkette. Die Bio-Farm in Jalisco lag in einem abgelegenen Tal mit einem eigenen gemäßigten Mikroklima am Fuße des Cerro El Petacal. Die vulkanisch angereicherten Böden und die Kombination aus Sonnenschein und Niederschlag schufen ideale Bedingungen für den Anbau nährstoffreicher Pflanzen.
Die Farm produzierte Schlüsselzutaten für zahlreiche Nutrilite-Nahrungsergänzungsmittel und verfügte über ein eigenes Wurmkompostierungssystem mit rund fünf Tonnen Würmern, die jährlich 260.000 Liter nährstoffreichen flüssigen Humus produzierten. Das Unternehmen betrieb 38 Kameras rund um die Uhr zur Dokumentation aller Interaktionen mit den Anbauflächen und testete den Boden täglich an 45 Messpunkten, die von Mitarbeitern per Fahrrad angefahren wurden, um Staubaufwirbelung zu vermeiden.
Die mögliche endgültige Aufgabe des Standorts würde Amway den Verlust eines wichtigen Glieds in seiner Lieferkette und eines bedeutenden Teils seiner Rückverfolgbarkeits-Infrastruktur kosten. Nutrilite wirbt weltweit als einzige globale Vitamin- und Nahrungsergänzungsmittelmarke damit, auf eigenen zertifizierten Bio-Farmen anzubauen, zu ernten und zu verarbeiten.
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Eine Chronologie der Ereignisse
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 14. Dezember 1936 | Bauern in San Isidro stellen Antrag auf Landzuteilung |
| 23. August 1939 | Präsidialerlass von Lázaro Cárdenas: 536 Hektar für Ejido San Isidro |
| 1940 | Nur 256 Hektar der Hacienda San Isidro werden übergeben, El Petacal (280 ha) bleibt offen |
| 2. April 1981 | 300 Hektar auf MarÃa Rojas registriert (Zertifikat Nr. 3642) |
| 23. Januar 1985 | Agrarbehörde hebt das Unantastbarkeitszertifikat auf |
| 13. April 1992 | Nutrilite S.R.L. erwirbt 160 Hektar (Puertas Tres und Cuatro) |
| 12. Mai 1994 | Nutrilite S.R.L. erwirbt weitere 120 Hektar (Puertas Uno und Dos) |
| 30. Juni 1993 | Erste Anordnung zur ergänzenden Vollstreckung der Präsidialresolution |
| 6. März 1998 | Zweite Anordnung zur ergänzenden Vollstreckung |
| 1. Juli 2020 | USMCA ersetzt NAFTA |
| 26. April 2022 | Dritte Anordnung zur ergänzenden Vollstreckung |
| 30. Juni 2022 | Beginn der Vermessung und Grenzfeststellung durch das RAN |
| 1. Juli 2022 | SEDATU fordert Amway-Nutrilite auf, Eigentumsrechte nachzuweisen |
| 12. Juli 2022 | Amway-Nutrilite reicht Amparo-Antrag ein (wird abgewiesen) |
| 14. Juli 2022 | Offizielle Übergabe: 280 ha juristisch, 120 ha physisch |
| Oktober 2022 | ABG reicht NAFTA-Schiedsankündigung ein |
| Januar 2023 | Nutrilite versäumt Frist zur Räumung der verbleibenden 160 ha |
| April 2023 | ICSID registriert das Schiedsverfahren (ARB/23/15) |
| Mai 2024 | ABG legt Memorial on the Merits vor |
| August 2024 | Schiedsgericht ordnet Bifurkation des Verfahrens an |
| November 2024 | Mexiko legt Zuständigkeitseinwände vor |
| März 2025 | Kanada und USA reichen Stellungnahmen als Nicht-Streitparteien ein |
| April 2025 | Mündliche Verhandlung zur Zuständigkeitsfrage |
| 21. November 2025 | Schiedsgericht weist Klage vollständig ab, kein Zuständigkeit |
Der Fall Amway gegen Mexiko ist mit dem ICSID-Schiedsspruch nicht beendet. Das Unternehmen betreibt die Farm auf Grundlage einer einstweiligen Verfügung weiter und verfolgt den Rechtsstreit vor mexikanischen Gerichten. Ob Amway eine Aufhebung des Schiedsspruchs anstrebt oder weitere internationale Rechtsmittel einlegt, ist bislang nicht bekannt.
Für die Direktvertriebsbranche illustriert der Fall die Risiken, die mit Investitionen in Ländern verbunden sind, in denen historische Landrechtskonflikte ungelöst sind. Die Tatsache, dass ein Präsidialerlass aus dem Jahr 1939 nach mehr als 80 Jahren vollstreckt werden konnte und ein internationales Schiedsgericht sich für nicht zuständig erklärte, wirft grundsätzliche Fragen zur Investitionssicherheit im Rahmen der nordamerikanischen Handelsabkommen auf.
Quellen: ICSID Case No. ARB/23/15, Crain’s Grand Rapids Business, Global Arbitration Review, Lexology, Pie de Página, Amway Global Newsroom, TradingView/Reuters






























