Zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2026 setzte Oriflame 240,9 Millionen Euro um, nach 278,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. In den jeweiligen Landeswährungen betrug der Rückgang zwölf Prozent, in Euro gerechnet 14 Prozent. Alle vier Regionen liegen im Minus, allein Europa & GUS verlieren 22,2 Millionen Euro. Die aktive Community schrumpfte um 19 Prozent auf 1,11 Millionen Mitglieder, das bereinigte EBITDA unter CEO Anna Malmhake auf minus 11,0 Millionen Euro.
Weniger Einheiten, höhere Preise
Hinter der Differenz zwischen zwölf und 14 Prozent stehen Wechselkurseffekte, die den Rückgang zusätzlich vertieften. Die Absatzmenge sank um 17 Prozent, während ein positiver Preis- und Mix-Effekt von fünf Prozent gegensteuerte: Oriflame verkauft deutlich weniger Einheiten, erlöst je Einheit aber mehr. Rechnerisch entfielen im Halbjahr rund 199 Euro Umsatz auf jedes aktive Mitglied, nach rund 192 Euro im Vorjahreszeitraum.Â
Europa & GUS tragen 57 Prozent des regionalen Geschäfts – und den größten Teil des Verlusts
Die Heimatregion des Konzerns umfasst 42 Märkte: Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Irland, Italien, Kasachstan, Kirgisistan, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Moldau, die Mongolei, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, die Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, die Niederlande, die Ukraine, Ungarn, Usbekistan, das Vereinigte Königreich und Zypern. Das Regionalbüro sitzt in Warschau, dort und in Budapest liegen die Distributionszentren des Konzerns. Der Umsatz fiel um 14,6 Prozent auf 129,8 Millionen Euro – ein Minus von 22,2 Millionen Euro, das rund 59 Prozent des gesamten Konzernrückgangs ausmacht.
Russland steht für 15,8 Prozent des Konzernumsatzes
Innerhalb Europa & GUS bildet Russland eine eigene Kategorie. Die dortige Tochtergesellschaft Oriflame Cosmetics LLC wurde am 21. März 2022 als „unrestricted subsidiary“ im Sinne der Anleihe- und Kreditverträge eingestuft und wird seither gesondert ausgewiesen. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen auf diesen Kreis 37,9 Millionen Euro Umsatz, das sind 15,8 Prozent des Konzernumsatzes und rund 29 Prozent der Region Europa & GUS. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Anteil bei 16,5 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern dieser Einheiten belief sich auf minus 2,0 Millionen Euro.
Asien verliert ein Viertel der aktiven Community
Asien umfasst fünf Märkte: China, Indien, Indonesien, Vietnam und Pakistan. Oriflame produziert dort an vier Standorten – in Noida und Rorkee in Indien sowie in Kunshan und Peking in China –, die Regionalbüros liegen in Bali, Schanghai und Neu-Delhi. Der Umsatz sank um 12,2 Prozent auf 43,0 Millionen Euro. Die aktive Community schrumpfte binnen zwölf Monaten um 26,2 Prozent auf 305.000 Mitglieder, der stärkste relative Rückgang aller Regionen. Das Unternehmen führt dies auf die abklingende Wirkung einer vorangegangenen Rekrutierungswelle zurück; hinzu kamen höhere Produktionskosten in China.
Lateinamerika bremst den Rückgang auf drei Prozent
Seit 1989 ist Oriflame in Lateinamerika präsent, heute in fünf Ländern: Chile, Kolumbien, Ecuador, Mexiko und Peru. Das Regionalbüro sitzt in Mexiko-Stadt. Mit einem Umsatz von 35,2 Millionen Euro liegt die Region 3,0 Prozent unter dem Vorjahreswert und damit deutlich stabiler als der Konzern insgesamt – nach einem Einbruch von 18 Prozent im Geschäftsjahr 2025 eine spürbare Verlangsamung. Der Anteil am Konzernumsatz stieg von 13,0 auf 14,6 Prozent. Belastend wirkten weiterhin niedrigere Aktivitätsniveaus sowie höhere Fracht-, Promotions- und Forderungsausfallkosten in einzelnen Märkten.
Türkei & Afrika verbessern die Marge trotz Umsatzverlust
Die Region umfasst sechs Länder: die Türkei, Marokko, Ägypten, Nigeria, Tunesien und Südafrika, gesteuert aus Istanbul. Der Umsatz fiel um 13,0 Prozent auf 20,0 Millionen Euro. Oriflame verweist auf eine kleinere Vertriebsmannschaft, geringere Aktivität sowie anhaltende makroökonomische und geopolitische Belastungen; die Wachstumsrechnung in Landeswährung ist um die türkische Hyperinflation bereinigt. Trotz des Umsatzrückgangs verbesserte sich die bereinigte EBITDA-Marge von 11,7 auf 12,5 Prozent – der beste Wert aller vier Regionen.
Umsätze Oriflame nach Regionen im ersten Halbjahr
|
Region |
H1 2026 (Mio. €) |
H1 2025 (Mio. €) |
Veränderung |
Anteil H1 2026 |
|---|---|---|---|---|
|
Europa & GUS |
129,8 |
152,0 |
-14,6 % |
53,9 % |
|
Asien |
43,0 |
49,0 |
-12,2 % |
17,8 % |
|
Lateinamerika |
35,2 |
36,3 |
-3,0 % |
14,6 % |
|
Türkei & Afrika |
20,0 |
23,0 |
-13,0 % |
8,3 % |
|
Manufacturing (Cetes) |
10,2 |
14,5 |
-29,7 % |
4,2 % |
|
Sonstiges |
2,7 |
3,7 |
-27,0 % |
1,1 % |
|
Oriflame gesamt |
240,9 |
278,5 |
-13,5 % |
100,0 % |
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Quelle: Interim Management Statement 1 January – 30 June 2026, Oriflame Holding Limited. Regionalwerte als Summe der ausgewiesenen Quartalswerte; Abweichungen durch Rundung möglich.
Die aktive Community schrumpft auf 1,11 Millionen Mitglieder
Zum 30. Juni 2026 zählte Oriflame 1.113.000 aktive Mitglieder gegenüber 1.374.000 ein Jahr zuvor, ein Minus von 19 Prozent. Gegenüber dem Jahresende 2025 mit 1.506.000 beträgt der Rückgang 26,1 Prozent. Die weiter gefasste Community, die alle Bestellungen der vergangenen zwölf beziehungsweise 17 Kampagnen erfasst, sank um 11,7 Prozent auf 2.731.000. Die Angabe des Unternehmens, mehr als drei Millionen „Beauty Entrepreneurs“ und Mitglieder zu erreichen, stammt aus der Selbstdarstellung im Bericht und liegt oberhalb der eigenen Community-Zahl.
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|
Region |
Aktive Community 30.06.2026 |
30.06.2025 |
Veränderung |
|---|---|---|---|
|
Europa & GUS |
582.000 |
676.000 |
-13,9 % |
|
Asien |
305.000 |
413.000 |
-26,2 % |
|
Türkei & Afrika |
125.000 |
168.000 |
-25,6 % |
|
Lateinamerika |
101.000 |
117.000 |
-13,7 % |
|
Oriflame gesamt |
1.113.000 |
1.374.000 |
-19,0 % |
Die Bruttomarge verliert 370 Basispunkte
Der bereinigte Bruttogewinn sank um 18,6 Prozent oder 33,5 Millionen Euro auf 146,9 Millionen Euro. Die Bruttomarge fiel von 64,7 auf 61,0 Prozent, wobei Wechselkurse mit 40 Basispunkten negativ wirkten; bereinigt um Währungseffekte beträgt der Rückgang 340 Basispunkte. Ausschlaggebend waren geringere Volumina, höhere Wertberichtigungen auf Vorräte, verstärkte Rabattierung sowie der gezielte Abverkauf von Überbeständen, mit dem das Management Liquidität freisetzte. Der Konzern verkaufte also nicht nur weniger, sondern auch zu schlechteren Konditionen.
Die Kostenbasis sinkt langsamer als der Umsatz
Die Vertriebs- und Marketingaufwendungen gingen um 14,5 Prozent auf 80,2 Millionen Euro zurück und lagen mit 33,3 Prozent des Umsatzes leicht unter dem Vorjahreswert von 33,7 Prozent – niedrigere Incentive-Zahlungen wirkten hier entlastend. Die Verwaltungskosten sanken um 11,6 Prozent auf 75,4 Millionen Euro, gemessen am Umsatz stiegen sie jedoch von 30,6 auf 31,3 Prozent. Distribution und Infrastruktur kosteten 10,7 Millionen Euro nach 11,4 Millionen Euro, ihr Umsatzanteil erhöhte sich von 4,1 auf 4,4 Prozent. In beiden Fällen schrumpfte der Umsatz schneller als die Kosten.
Das bereinigte EBITDA fällt auf minus 11,0 Millionen Euro
Nach minus 0,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum weist Oriflame für das erste Halbjahr 2026 ein bereinigtes EBITDA von minus 11,0 Millionen Euro aus, die Marge liegt bei minus 4,6 Prozent. Drei der vier Regionen erwirtschafteten weiterhin positive Ergebnisbeiträge; einzig Asien blieb mit minus 3,6 Millionen Euro in der Verlustzone. Die Konzernfunktionen und nicht zugeordnete Kosten belasteten das Ergebnis mit 27,7 Millionen Euro und damit stärker als im Vorjahr mit 26,4 Millionen Euro. Der bereinigte Nettoverlust summiert sich auf 43,5 Millionen Euro, nach einem bereinigten Gewinn von 21,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025.
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|
Region |
Bereinigtes EBITDA H1 2026 (Mio. €) |
Marge H1 2026 |
Marge H1 2025 |
|---|---|---|---|
|
Europa & GUS |
14,2 |
10,9 % |
11,3 % |
|
Türkei & Afrika |
2,5 |
12,5 % |
11,7 % |
|
Lateinamerika |
1,9 |
5,4 % |
7,2 % |
|
Asien |
-3,6 |
-8,4 % |
-6,3 % |
|
Manufacturing (Cetes) |
1,7 |
16,7 % |
48,3 % |
|
Konzernfunktionen / Sonstiges |
-27,7 |
– |
– |
|
Oriflame gesamt |
-11,0 |
-4,6 % |
-0,0 % |
Das Finanzergebnis dreht um 54 Millionen Euro
Den Ausschlag für den ausgewiesenen Verlust gibt das Finanzergebnis. Im ersten Halbjahr 2025 hatte Oriflame ein Finanzergebnis von plus 34,2 Millionen Euro verbucht, getragen von einem unrealisierten Währungsgewinn auf die Altanleihe in US-Dollar in Höhe von 60,1 Millionen Euro. Dieser Effekt entfällt 2026 vollständig; stattdessen stehen Nettofinanzaufwendungen von 19,8 Millionen Euro zu Buche. Der ausgewiesene Konzernverlust beträgt damit 71,8 Millionen Euro nach 2,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Eigenkapital sank auf minus 86,0 Millionen Euro, nach minus 11,5 Millionen Euro zum Jahresende 2025.
Payment-in-Kind erhöht den Zinssatz auf 12,5 Prozent
Im zweiten Quartal 2026 zog Oriflame bei seinen verzinslichen Darlehen die Payment-in-Kind-Option: Die im Juni fälligen Zinsen wurden nicht bar gezahlt, sondern der Darlehenssumme zugeschlagen. Der Vertragszins steigt dadurch von 9,0 Prozent Barverzinsung auf 12,5 Prozent PIK. Die gesamten Finanzverbindlichkeiten erhöhten sich gegenüber dem Jahresende 2025 um 21,1 Millionen Euro auf einen Buchwert von 257,1 Millionen Euro bei einem Nominalwert von 382,8 Millionen Euro. Die im Dezember 2025 restrukturierten 2L-Anleihen über 285,5 Millionen Euro laufen bis Dezember 2032.
Die Liquidität sinkt auf 25,7 Millionen Euro
Zum 30. Juni 2026 verfügte Oriflame über liquide Mittel von 25,7 Millionen Euro, nach 69,0 Millionen Euro zum Jahresende 2025 und 49,9 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Der bereinigte Mittelabfluss vor Finanzierungstätigkeit betrug 15,3 Millionen Euro und fiel damit geringer aus als die 25,5 Millionen Euro des Vorjahreszeitraums. Getragen wurde diese Verbesserung vom Working Capital: Die Vorräte sanken um 24,4 Millionen Euro auf 64,7 Millionen Euro, die Forderungen um 5,1 Millionen Euro. Gegenläufig wirkte der Abbau von Verbindlichkeiten um 22,2 Millionen Euro. Für Restrukturierung, Reorganisation und Refinanzierung flossen 23,8 Millionen Euro ab.
Der Verwaltungsrat verweist auf wesentliche Unsicherheiten
In den Anhangangaben bezeichnet der Verwaltungsrat die Fortführung der Geschäftstätigkeit als angemessene Bilanzierungsgrundlage, benennt zugleich aber wesentliche Unsicherheiten: die Fähigkeit, die geplanten Umsätze und Zahlungsströme zu erreichen, eine ungeklärte Eventualverbindlichkeit aus grenzüberschreitenden Aktivitäten früherer Perioden sowie Risiken bei der künftigen Einhaltung der Kreditauflagen. Der Liquiditätsspielraum werde zu einzelnen Zeitpunkten begrenzt bleiben. Unter Umständen könne zusätzliche Finanzierung erforderlich werden. Der Halbjahresbericht ist ungeprüft und wurde am 20. Juli 2026 freigegeben.
Sechs Produktkategorien, zwei Gewinner
Innerhalb des Sortiments entwickelten sich Duft und Accessoires besser als der Konzern insgesamt. Bei Fragrance stützten Neueinführungen wie Giordani Gold White und die anhaltende Nachfrage nach Love Potion das Geschäft, während das Premiumsegment nachgab. Accessoires profitierten von Modeschmuck und Cross-Category-Launches. Hautpflege, Wellness, dekorative Kosmetik sowie Körper- und Haarpflege blieben unter dem Vorjahresniveau; im Wellness-Bereich wuchsen Probiotika und Beauty Nutrition gegen den Trend, konnten die Schwäche bei Gewichtsmanagement und Altprodukten aber nicht ausgleichen.
Der Transformationsplan läuft unter drei Schlagworten
Anna Malmhake führt Oriflame entlang der Agenda „Real Products, Real Prices, Real People“. Die Vergütungsstruktur für Vertriebspartner wird vereinfacht und derzeit in ausgewählten Märkten getestet, eine neue Preisstrategie seit Juni 2026 in vier Märkten. Die Verlagerung der europäischen Produktion auf ein Netz externer Partner liegt vor Plan: 316 Produkte sind vergeben, 198 werden bereits dort gefertigt, der Abschluss ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen. Im April 2026 übernahm Orkun Gül die neu geschaffene Position des Chief Commercial Officer. Ein Sparprogramm zur Verschlankung der Organisation läuft parallel.
Der Konzern im Profil
Oriflame Holding Limited ist eine am 20. Mai 2019 nach dem Recht von Jersey gegründete Holding mit Sitz in St. Helier; das operative Geschäft geht auf die 1967 in Schweden gegründete Gesellschaft zurück. Der Konzern vertreibt Kosmetik, Duft, Körperpflege und Nahrungsergänzung über ein Social-Selling-Modell in nach eigenen Angaben mehr als 60 Märkten. Neben Anna Malmhake als CEO verantwortet Jog Dhody die Finanzen; Verwaltungsratsvorsitzender ist Robert Bensoussan.Â






























